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Bischof Pirmin · Ständerat · 2025-03-19

Bischof Pirmin · Ständerat · Solothurn · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-03-19

Wortprotokoll

Vielleicht werden meine Kinder ihren Kindern einmal eine neue Art von Märchen erzählen. Sie werden erzählen, dass es einmal eine Zeit gab, in der es in der Schweiz noch Hausärzte gab. Hausärzte waren Ärzte, die für eine ganze Familie zuständig waren. Sie trugen die Verantwortung, Probleme zu lösen und die Patienten, wenn sie das selber nicht tun konnten, an Spezialisten weiterzuleiten. "Es war einmal", werden sie sagen.

Wir sind auf dem besten Weg dazu, dass der Hausarzt zu einer aussterbenden Spezies wird. Jetzt kann man sagen, das sei nicht so schlimm. Es gibt ja andere Länder, in denen das auch so ist. Südeuropa lebt mit einem System, in dem man auch mit kleinsten gesundheitlichen Problemen sofort ins Spital geht. Es gibt keine Hausärzte. Nur, wollen wir das, und ist das sinnvoll? Gerade in unserem Land mit der hohen Qualität der Gesundheitsversorgung und mit hohen Gesundheitskosten wäre es ein grober Unfug, die Hausärzte und die Hausärztinnen abzuschaffen. Sie sorgen einerseits dafür, dass die Familie eine menschennahe gesundheitliche Betreuung durch eine Person hat, und sie sorgen andererseits dafür, dass die Behandlungskosten wesentlich tiefer sind als in einem reinen Spitalsystem. Die Hausärztin erledigt heute 93 Prozent der Fälle - 93 Prozent! - selber, und nur die restlichen 7 Prozent leitet sie an ein Spital oder einen Spezialisten weiter. Wollen wir, dass daraus 100 Prozent werden?

Jetzt kann man Verschiedenes tun, wenn man wie ich der Überzeugung ist, dass wir alles daransetzen müssen, dass die Hausärzteschaft weiter existieren kann. Man kann sagen, dass man die Praxisassistenzen besser finanzieren soll; das ist heute in den meisten Kantonen leider nicht gegeben. Praxisassistenzen können Hausärzte gut entlasten, aber sie müssen auch entsprechend finanziert werden.

Man kann auch sagen, dass die Ausbildung verändert werden muss. Hier hat der Bundesrat ja mit einem 100-Millionen-Franken-Programm teilweise erfolgreich erreicht, dass mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden - Ärztinnen und Ärzte, nicht Hausärztinnen und Hausärzte! Wir haben immer noch eine medizinische Ausbildung, in der die Grundversorgung mit weniger als 10 Prozent der Ausbildungszeit ausgestattet ist. Grundversorger werden heute in der Schweiz also nicht ernsthaft ausgebildet. Wir haben eine Ärzteausbildung für Spezialistinnen und Spezialisten, und das ist auch attraktiv für die jungen Menschen in diesem Umfeld.

Und dann kommt eben am Schluss das Geld. Man kann schon sagen, dass Hausärzte Idealisten und Idealistinnen sein sollen, aber alle jungen Menschen und wir alle richten uns immer auch ein bisschen nach der Entlöhnung. Heute haben wir ein System, in dem die Hausärztinnen und[NB]Hausärzte[NB]wesentlich schlechter besoldet werden als die Spezialistinnen und Spezialisten. Das ist in vielen Fällen nicht gerechtfertigt. Wir haben ein System, in dem die Tarife auch mit dem neuen Tardoc noch nicht so sind, dass sie den Hausärzten gerecht werden. Die Pauschalen, auf denen wir die[NB]Hausärztepauschale aufbauen, sind zwar richtig, aber sie basieren rein auf Spitalerfahrungen. Hausärzteerfahrungen wurden bei dieser Statistik nicht einbezogen.

Ausserdem geht meine Generation von Hausärzten - ich bin nicht Hausarzt, ich meinte die Hausärzte meiner Generation, der Babyboomer - jetzt aus der Praxis raus und versucht, Praxisnachfolgerinnen zu finden. Sie finden keine, vor allem auf dem Land nicht. Hier liegt es wahrscheinlich auch ein[NB]bisschen an der Politik, für diese Generation die Möglichkeit, länger zu arbeiten, zu erleichtern und nicht zu erschweren. Das ist ein Auftrag, der vielleicht nicht nur die Medizin betrifft, sondern generell im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel dominierend sein sollte. Jedenfalls ist die Geldfrage dominant bei der Frage, ob Hausärztinnen und[NB]Hausärzte weiter existieren.

In diesem Sinne bitte ich Sie, der Mehrheit der Kommission zu folgen und diese Motion anzunehmen.