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AB 355860

Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2025-05-06

Wortprotokoll

Die WBK beantragt Ihnen die Annahme eines Postulates mit der Bitte an den Bundesrat, einen Bericht zur Frage zu verfassen, welches die Anforderungen an eine qualitativ gut geführte Kita sind. Was ist ein kindergerechter Betreuungsschlüssel? Wie hoch muss der Anteil an qualifiziertem Betreuungspersonal sein, oder wie hoch darf der Anteil an Praktikanten und Praktikantinnen sein? Welches sind die aktuellen Arbeitsbedingungen und Löhne, und wo braucht es gegebenenfalls Optimierungen?

Die Begründung der Mehrheit der Kommission lautet wie folgt: Die Kinderbetreuung ist von zentraler Bedeutung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und für die Gleichstellung. Es ist für Eltern wichtig, ein gutes Gefühl bei der Arbeit zu haben, dies deshalb, weil sie wissen, dass sich ihre Kinder an diesem Ort wohlfühlen und sich gut entwickeln, da dort das Kindswohl im Zentrum steht. Die Kitas übernehmen eine zentrale Rolle in der frühkindlichen Betreuung und Bildung. Sie schaffen Strukturen für Kinder, in welchen sich diese sozial, emotional entwickeln und kognitive Kompetenzen ausbilden können. Das Potenzial gerade bei den Kleinkindern ist gross, wenn die natürliche Neugier kindergerecht und spielerisch geweckt wird, um die Welt besser verstehen zu können, um die Sprache zu erlernen - bei kindergerechter Förderung können Kleinkinder locker zwei Sprachen parallel lernen. Die Kinder können auf den Schuleintritt vorbereitet werden, zumal - und dies ist gerade auch wichtig für Kinder aus nicht privilegierten Verhältnissen - die Chancengerechtigkeit erhöht werden kann. Die Förderung des Potenzials und des Wohlergehens der Kinder ist aber nur möglich, wenn eine hohe Qualität der Betreuung angeboten wird.

Aktuell gibt es grosse Unterschiede bezüglich Qualität, Betreuungsschlüssel und Qualifikation des Personals. Es gibt Top-Angebote, aber es gibt auch Schwierigkeiten. So liegt der Anteil Angestellter ohne Fachausbildung bei insgesamt rund 43 Prozent. Viele Praktikanten und Praktikantinnen erhalten Löhne unter 1000 Franken und werden als billige Arbeitskräfte gebraucht, obschon sie nachher keine Chance erhalten, eine Lehrstelle anzutreten.

Auch das Fachpersonal hat oft tiefe, teilweise nicht einmal existenzsichernde Löhne. Der Lohn eines Fachmannes oder einer Fachfrau Betreuung ist deutlich tiefer als in vergleichbaren Berufen. Oft ist das Personal überlastet, und der Betreuungsschlüssel ist zu knapp. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 zeigt: 80 Prozent des Personals fühlen sich gestresst, und 40 Prozent wechseln den Beruf aus gesundheitlichen [PAGE 619] Gründen. Das ist schlecht, mit Blick auf den Fachkräftemangel, aber auch für die Kinder, denn ihre Förderung kommt zu kurz.

Obwohl die Tarife für die Eltern oft sehr hoch sind, haben die Kitas Finanzsorgen. Deshalb ist ein umfassender Bericht des Bundesrates von grosser Bedeutung, um die zentrale Frage zu klären, was die Anforderungen an eine qualitativ gut geführte Kita sind, und um aufzuzeigen, wo Handlungsbedarf besteht.

Es ist erfreulich, dass der Bundesrat das Postulat entgegennehmen will und dass er den Bericht zusammen mit den Kantonen, den Gemeinden, den Akteuren und Akteurinnen ausarbeiten will. Das ist sinnvoll, damit stärkt man die Aussagekraft der Ergebnisse.

Im Namen der Mehrheit der WBK-N bitte ich Sie deshalb, diesem Postulat zuzustimmen. Die Minderheit Heimgartner, sie wird es noch ausführen, lehnt das Postulat ab, weil die Regelung der familienergänzenden Kinderbetreuung keine nationale Aufgabe sei.

Ich bitte Sie, dem Mehrheitsantrag zu folgen.