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Rüegger Monika · Nationalrat · 2025-05-06

Rüegger Monika · Nationalrat · Obwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-05-06

Wortprotokoll

Die aktuelle Situation hinsichtlich der Wölfe in der Schweiz ist nicht nur besorgniserregend, sondern für viele Betroffene auch schlichtweg unhaltbar. In den letzten zwölf Jahren haben sich die Wölfe auf weit über 400 an der Zahl vermehrt, was insbesondere in alpinen und voralpinen Regionen schwerwiegende Folgen hat. Das Argument, wonach die Vermehrung der Wölfe auch dazu geführt haben soll, dass die Zahl der gerissenen Tiere zurückgegangen sei, ist einfach eine Farce. Spätestens jetzt sollten die Alarmglocken läuten. Sollen die Wölfe etwa den Appetit auf Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde verloren haben? Nein. Vielmehr haben wegen der zu vielen Wölfe viele Älpler schlichtweg aufgegeben. Für die Älpler wurde es zu gefährlich, ihre Herden auf die Alpen zu bringen, sie mussten die Alpen frühzeitig verlassen. Die Alpen werden wegen der Wölfe zur Gefahrenzone für ihre Nutztiere, für das Alppersonal und die Bergbauernfamilien.

Eines möchte ich hier klarstellen: Mit seinen Nutztieren auf die Alp zu gehen, ist nicht einfach ein romantisches Hobby, sondern sieben Tage die Woche strenge Arbeit für wenig Lohn. Werden die Alpen zukünftig nicht mehr bestossen, heisst das einerseits, dass die Bergbauern ihre Existenz verlieren, und andererseits, dass die Gefahr von Naturkatastrophen wie Lawinenabgängen oder Murgängen zunimmt, während die Biodiversität abnimmt, weil die Alpen verganden und verbuschen.

Das Parlament hat im Dezember 2022 entschieden, das revidierte Jagdgesetz umzusetzen. Seit Februar 2025 ist die Verordnung in Kraft. Es ist nun möglich, Wolfsrudel proaktiv zu regulieren, wenn sie Schäden anrichten oder Menschen gefährden. Aber was bedeutet das konkret? Das heisst, dass die Bauern zuerst beim Kanton ein Gesuch stellen müssen. Sie sind dann darauf angewiesen, dass der Kanton beim Bund ein Gesuch stellt. Der Bund muss die Gesuche prüfen und bewilligen, womit wertvolle Tage und Wochen ins Land ziehen, bis die Jäger die Wölfe schiessen bzw. überhaupt erst nach ihnen suchen dürfen.

Dieses Gesetz ist bereits wieder überholt. Im letzten März hat die Berner Konvention nämlich entschieden, dass der Wolf europaweit von "streng geschützt" auf "geschützt" heruntergestuft wird. Demnach kann der Wolf nun europaweit einfacher bejagt werden - einfacher, schneller und unbürokratischer.

Nun komme ich zur Motion des Ständerates. Der Ständerat will gar nichts anderes, sondern ebenfalls eine rasche, unbürokratische und proaktive Regulierung des Wolfsbestandes. Das schliesst überhaupt nicht aus, dass die Wirkung der beschlossenen Jagdgesetzrevision evaluiert werden soll. Die Motion schliesst nämlich nahtlos an das Jagdgesetz an und inkludiert die neuesten Entwicklungen in Europa. Sie wissen ganz genau, wie solche Prozesse laufen: Bis eine Motion, wie sie hier nun vorliegt, den politischen Prozess durchlaufen hat und in ein konkretes Gesetz überführt werden kann, dauert es immer eine gewisse Zeit.

Diese Motion möchte aber auch die Frage klären, inwiefern die Kantone wolfsfreie Zonen ausscheiden könnten. Hier ziehe ich einen Vergleich zu Norwegen, das die Berner Konvention ebenfalls einhält. Norwegen ist zehnmal grösser als die Schweiz, hat aber viermal weniger Wölfe. Die Schweiz zählt nämlich über 400 Wölfe in fast 40 Rudeln, während Norwegen eine Obergrenze von sechs Rudeln oder maximal 100 Wölfen festgelegt hat. Dort wird das auch durchgezogen: Die Wölfe befinden sich im Südosten des Landes, im restlichen Teil des Landes gibt es wolfsfreie Zonen. Die Gebiete der Rentierzucht sind wolfsfrei. In der Motion geht es aber nicht um wolfsfreie Zonen, sondern nur um die Prüfung von wolfsfreien Zonen.

Darum bitte ich Sie, diese Motion anzunehmen - für weniger Bürokratie, mehr Pragmatismus und einen besseren Schutz für die betroffene Bevölkerung.