Riniker Maja · Nationalrat · 2025-06-02
Riniker Maja · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion · 2025-06-02
Wortprotokoll
Es war ein Moment der Fassungslosigkeit, als wir am letzten Mittwoch am frühen Abend die Bilder aus Blatten und Ried im Walliser Lötschental sahen. Die Urgewalt der Natur löschte ein ganzes uraltes und wunderschönes Walliser Dorf aus. Wo Häuser über Jahrhunderte Schutz und Obdach geboten hatten, breiteten sich der Schuttkegel des riesigen Bergsturzes und anschliessend das Wasser der Lonza aus. Es sind nicht bloss Häuser, Stadel und Strassen, die zerstört wurden. Es ist die Heimat von Hunderten von Menschen, es sind ihre Wohnungen, ihr Hab und Gut, ihre Tiere, vor allem aber auch ihre persönlichen Erinnerungen und viel Liebgewonnenes, die nun unter Schutt-, Geröll- und Wassermassen begraben sind. Blatten, Bondo, Brienz, das Maggiatal, das Saastal: Immer wieder wird uns vor Augen geführt, wie schnell und wie mächtig die Natur Existenzen innert Minuten komplett verändern kann.
Im Namen unseres Rates sage ich allen Bewohnerinnen und Bewohnern von Blatten und Ried, dass wir mit ihnen fühlen [PAGE 724] und an sie denken. Unsere Gedanken sind auch bei der Familie des Schafzüchters, der nach wie vor vermisst wird.
Jetzt ist viel Kraft nötig, um die nächsten Schritte zu tun, Mut zu fassen, Leben und Existenzen wieder aufzubauen und neue Wurzeln zu schlagen. Ich bin überzeugt: Sie können das!
Ich möchte mich bedanken bei den Einsatzkräften vor Ort, bei den Milizorganisationen im Wallis, die unter grösstem Druck hochprofessionell arbeiten, und ich möchte mich auch bedanken bei den Expertinnen und Entscheidungsträgern, die genügend früh gewarnt hatten und durch die Evakuierung eine schlimmere Katastrophe verhindert haben.
Wenn in den kommenden Monaten die Behörden, wenn wir in der Politik gefordert sind, werden wir mithelfen, eine neue Heimat in den Walliser Bergen zu schaffen. Wir können helfen, den Boden vorzubereiten, damit die Bevölkerung von Blatten und Ried wieder Wurzeln schlagen kann.
Was heute aber weit wichtiger ist, ist, dass wir, dass die ganze Schweizer Bevölkerung den Betroffenen sagt: Wir fühlen mit euch, wir denken an euch, ihr könnt auf uns zählen. Ich hoffe auf die Solidarität aller Menschen in der Schweiz. Es ist ein Zeichen des Mitgefühls, wenn viele Leute Geld für den Wiederaufbau von Blatten spenden. Alle können dazu beitragen - durch die Spende eines Taggelds von uns Nationalrätinnen und Nationalräten, den Verzicht auf das Trinkgeld oder auf einen Wochenendausflug. Kinder verkaufen Zeichnungen oder spenden das Sackgeld einer Woche. Es können kleine und grosse Beiträge sein - alle sind Zeichen, alle helfen und bezeugen unsere Solidarität.
Unsere Aufgabe im Parlament ist es, dafür zu sorgen, dass der Prävention und dem Schutz vor Naturereignissen das nötige Gewicht gegeben wird und Strukturen da sind, um die Folgen möglichst gut zu bewältigen, wenn Katastrophen passieren. Diese Arbeit im unmittelbaren Interesse und zum Schutz der Bevölkerung ist eine der wichtigsten Aufgaben des Parlamentes.
Liebe Blattnerinnen und Blattner, ja, das Unvorstellbare ist am vergangenen Mittwoch eingetroffen. Ihr habt euer Dorf verloren, ihr habt aber nicht das Herz für euer Dorf verloren. Ihr müsst wieder eine Heimat, Blatten und Ried sollen wieder eine Zukunft haben.