Müller-Altermatt Stefan · Nationalrat · 2025-06-11
Müller-Altermatt Stefan · Nationalrat · Solothurn · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-06-11
Wortprotokoll
Ich habe den Fraktionssprecherinnen und -sprechern und den Einzelrednerinnen und -rednern bisher relativ aufmerksam zugehört. Ich habe eine Diskussion über Information und Desinformation, über Kultur und Vielfalt dieses Landes vernommen. Ich habe vernommen, wie die Befürworter der Initiative uns Gegnern der Initiative doch recht süffisant vorwerfen, wir würden wohl übertreiben, denn es könne ja kaum sein, dass die Kultur und die Vielfalt des Landes an dieser einen Institution, der SRG, hängen.
Ich möchte Ihnen deshalb, auch als Präsident der parlamentarischen Gruppe Musik, einfach einmal aufzeigen, was die SRG beispielsweise für das musikalische Schaffen leistet. Seit 2004 verpflichtet sich die SRG durch die Unterzeichnung der Charta der Schweizer Musik, in ihren Radioprogrammen einen angemessenen Anteil an Schweizer Produktionen zu berücksichtigen. Das Resultat daraus ist unter anderem, dass der Anteil an Schweizer Musikern auf den SRG-Sendern 38 Prozent beträgt; bei einzelnen Radiosendern sind es über 50 Prozent. Pro Jahr werden von der SRG 600 Musikproduktionen, also 600 Konzerte und Showcases, aufgenommen. Diese werden auch auf "Play Suisse" zur Verfügung gestellt. Auf "Play Suisse" gibt es auch die Plattformen "mx3.ch" für aktuelle Musik, "volksmusik.mx3.ch" für die Volksmusik und "neo.mx3.ch" für zeitgenössische Musik.
Die SRG unterstützt 300 Festivals, darunter das Label Suisse Festival in Lausanne, welches die Vielfalt der Schweizer Musik abbildet. Im letzten September fanden allein an diesem Festival 66 Konzerte mit Schweizer Musik vor 60[NB]000 Zuschauerinnen und Zuschauern statt.
Die SRG tauscht gezielt Musik zwischen den Sprachregionen aus. Radio SRF 2 Kultur, RTS Espace 2 und Rete Due tauschen regelmässig Konzertaufnahmen aus ihren Regionen aus, und sie haben auch eine gemeinsame Sendung, den dreisprachig moderierten "Pavillon Suisse". Last, but not least ruft die SRG für den Eurovision Song Contest jedes Jahr junge Musiktalente auf, sich auf die grosse europäische Bühne zu begeben - im Jahr 2024 sogar siegreich, wie wir wissen.
Es geht bei dieser Initiative nicht einfach um "CSI: Miami", wie schon gesagt wurde. Es geht auch nicht um den "Kassensturz". Es geht tatsächlich um die Schweizer Kultur und die Vielfalt des Landes - da können die Initianten noch so süffisant lächeln und uns vorwerfen, wir würden übertreiben. Denn das, was ich soeben aufgezählt habe - nur schon aus dem Musiksektor, die Durchdringung mit Schweizer Musik, 600 Musikproduktionen, 300 Festivals, die Plattformen -, macht kein Privater. Das ist auch kein Ausufern irgendwo in den privaten Sektor hinein, denn einen privaten Sektor gibt es in diesem Bereich nicht - es gäbe ihn selbst dann nicht, wenn wir im Übermass Geld hätten. Diese Aufgabe würde einfach niemand übernehmen.
Die Initiative halbiert nicht einfach die SRG, sie halbiert tatsächlich auch das Musikschaffen und die Musikwirtschaft in der Schweiz, welche von der SRG angestossen, verbreitet, multipliziert wird. Sie halbiert die Schweizer Musik. Unser nationales Instrument ist das Alphorn, nicht das Halbhorn. Ein Halbhorn klingt nicht.
Bitte empfehlen Sie die Initiative zur Ablehnung.