Zryd Andrea · Nationalrat · 2025-06-11
Zryd Andrea · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2025-06-11
Wortprotokoll
Als langjährige Sportlerin, Trainerin und auch Mitglied von vielen Sportorganisationen glaube ich, einschätzen zu können, wie wichtig der Sport für die Gesellschaft ist. Es ist eben mehr als nur Wettkampf und Bewegung. Es ist Begegnung, Gemeinschaft und Identität - Schweizer Identität. Sport bringt Menschen zusammen, unabhängig von Kanton, Sprachregion, Altersgruppe und Geschlecht. Er begeistert Tag und Nacht, in der Halle, auf dem Rasen, aber eben auch auf dem Bildschirm. Die SRG spielt dabei eine unverzichtbare Rolle: Sie macht Sport sichtbar. Sie bringt Emotionen, Geschichten, Leistungen aus allen Enden und Ecken unseres Landes ins Radio, auf den Bildschirm oder auch auf unser Handy.
Wer von den Älteren hier im Rat kennt die Geschichten nicht, beispielsweise über Pirmin Zurbriggens Knie? Oder wer kennt den Ruf "Flieg, Simi" nicht, als Simon Ammann zur Doppel-Olympia-Medaille geflogen ist? Ich glaube, das ist Grund genug dafür, dass wir eben eine starke SRG brauchen. Florence Schelling, Daniela Ryf, Martina Hingis, sie alle haben begeistert und begeistern immer noch. Vielleicht etwas aktueller: Wer hat die Tränen von Angelica Moser nach der verpassten Olympiamedaille nicht gesehen - und vielleicht selber sogar eine vergossen? Wer hier im Saal kennt die Geschichte um Christian Stucki und seine Ernährung nicht? Ich denke, etliche konnten nicht nur Leistungen mitnehmen, sondern auch Geschichten, die betroffen machen und uns alle irgendwie etwas angehen. Marcel Hug und Catherine Debrunner haben den Parasport revolutioniert. Sie sammeln einen Rekord nach dem anderen.
Die SRG berichtet nicht nur über grosse internationale Events, sondern auch über die nationalen Meisterschaften und über kleinere, weniger bekannte Sportarten oder über [PAGE 953] Frauensport, also über Dinge, die sonst nicht so viel Sichtbarkeit geniessen. Das ist existenziell für diese Sportarten, aber auch für unsere Nachwuchsförderung. Diese Vielfalt ist einzigartig und von existenzieller Bedeutung für den Schweizer Sport ganz im Allgemeinen. Eine Halbierung der Mittel würde unweigerlich zu einem massiven Abbau führen. Die Sportberichterstattungen würden stark gekürzt. Sportarten wie Handball, Frauenfussball, Bob, Leichtathletik, Unihockey würde man am Fernseher wohl kaum noch oder nur[NB]in[NB]Sequenzen sehen. Der beliebte Breitensport und unser Fussball wären auch betroffen. Es wären nicht mehr so viele Spiele im Fernsehen zu sehen. Die Übertragungsrechte sind sehr teuer, und Grossanlässe wie die Olympischen Spiele, die Fussball-EM oder -Weltmeisterschaften wären nicht mehr frei für alle zugänglich - ein herber Verlust nicht nur für die Sportfans, sondern für die ganze Gesellschaft, denn Sport hat eine identitätsstiftende und integrative Wirkung. Wenn die Schweiz an einem Grossanlass mitfiebert, dann fühlen wir uns verbunden, wir fiebern mit, egal aus welchem Kanton wir kommen, welche Sprache wir sprechen. Das gemeinsame Erleben stärkt unser Zusammengehörigkeitsgefühl.
Die Kürzung der Sportberichterstattung hat ebenfalls Auswirkungen auf die Sportverbände und die Vereinskultur in der Schweiz. Die SRG publiziert rund 1000 Sportwettbewerbe pro Jahr und verfügt über langjährige Erfahrung und Kompetenzen in diesem Bereich. Davon profitieren zahlreiche Sportarten in Verbänden und Vereinen und ihre Mitglieder. Mit ihren Produktionen leistet die SRG einen essenziellen Beitrag zur medialen Präsenz und somit zur Sichtbarkeit unseres Schweizer Sportes. Das wirkt sich auf das Sponsoring und somit auch auf die Finanzierung der Sportarten aus. Ich bezweifle, dass die privaten Medien die Fähigkeit und das Interesse haben, die Angebote zu übernehmen, die die SRG aufgeben müsste. Sie sind eben sehr kostspielig, wie ich schon erwähnt habe.
Ich sage deshalb aus voller Überzeugung Nein zur Halbierungs-Initiative, Ja zu einem starken Service public, Ja zu einem vielfältigen, frei zugänglichen Sportangebot für alle - für unsere Kinder, unsere Vereine, unsere Gemeinschaft, für eine Schweiz, in der der Sport weiterhin eine zentrale Rolle spielt.