David Eugen · Ständerat · 2003-06-19
David Eugen · Ständerat · St. Gallen · Christlichdemokratische Fraktion · 2003-06-19
Wortprotokoll
Wir haben hier eine Vorlage, mit welcher wir in vier Jahren 17,3 Milliarden Franken für Forschung und Bildung ausgeben. Die Steuerzahler können sich eigentlich mit Recht fragen: Was ist die Gegenleistung des Bereiches Hochschule für uns? Die Frage lautet letztlich: Was ist die Gegenleistung für die Volkswirtschaft der Schweiz? Wir wissen, dass die Volkswirtschaft eine ausgewiesene Wachstumsschwäche hat, und zwar eine andauernde. Wir haben den Wachstumsbericht des Bundesrates erhalten, der ausweist, dass wir hier in den letzten zehn Jahren stagniert haben. Wir haben vor allem in Bereichen, wo die Schweiz früher stark war, an Terrain verloren, so z. B. in der industriellen Technologie. Wir stellen aufgrund dieses Wachstumsberichtes fest - das richtet sich jetzt eben an den Bereich der Hochschulen -, dass der Transfer von Wissen von den Hochschulen in die Wirtschaft eine eindeutige Schwachstelle ist. Es gelingt uns offenbar viel weniger als anderen Ländern, insbesondere als den Vereinigten Staaten von Amerika, das Wissen aus den Hochschulen in volkswirtschaftliches Wachstum umzusetzen.
Daher finde ich, dass wir diesem Punkt grosse Beachtung schenken müssen. Herr Bundespräsident Couchepin hat gefragt, woran wir überhaupt messen wollten, wofür wir dieses Geld ausgeben. Sie haben dann gesagt, die "ambiance générale" habe sich verbessert. Aber das kann es am Schluss nicht sein. Für mich gibt es eine Benchmark. Für mich ist die Benchmark, wie viele neue Technologien mit hoher Wertschöpfung in der Schweiz aus den Hochschulen heraus angesiedelt werden. Das kann man messen. Man kann das für jede Universität und für jede Fachhochschule messen. Für mich gehört es daher zum selbstverständlichsten Leistungsauftrag der Universitäten und Fachhochschulen, dass sie mit ihren Mitteln Technologietransfer betreiben müssen, um der Volkswirtschaft und dem Steuerzahler gegenüber diese grosse Leistung von 17,3 Milliarden Franken überhaupt zu rechtfertigen. Ich glaube nicht, dass man allein mit der Argumentation "Wissenschaft ist Selbstzweck, sie rechtfertigt sich selbst, sie braucht keine dritte Begründung" diesen hohen Mitteleinsatz aus öffentlichen Mitteln rechtfertigen kann.
Daher bin ich sehr für den Technologietransfer. Ich bin insbesondere dafür, dass dieser in den Leistungsauftrag der Universitäten und Fachhochschulen hineingeschrieben wird und dass er gemessen wird, dass jedes Jahr gemessen wird, was effektiv an Transfer in die Volkswirtschaft geleistet wurde.
Ich unterstütze daher die Mehrheit und bin froh, dass man auch Absatz 2 gestrichen hat. Ich bin vollständig einverstanden mit dem, was vorhin auch von Frau Beerli gesagt wurde. Es ist überhaupt nicht notwendig, eine neue Plattform aufzubauen. Plattformen gibt es bereits viele, es gibt sehr gute Plattformen. Es gibt auch private Plattformen, die sehr gut sind. Ich kenne auch in meinem Umkreis in der Ostschweiz Plattformen, die bereits einen sehr grossen Kundenkreis haben, für die KMU im Speziellen, für den Technologietransfer. Hier muss man das Rad nicht neu erfinden, sondern die Fachhochschulen und die Universitäten müssen sich der Instrumente bedienen, die bereits bestehen.
Daher bin ich der Meinung, dass die 16 Millionen Franken, die wir den Hochschulen und den Fachhochschulen geben - ich bin auch dafür, dass wir das Geld nicht nur den Fachhochschulen geben, sondern auch den Universitäten, darum bin ich auch für die Mehrheit -, dafür eingesetzt werden müssen, das bereits bestehende Transfersystem einzusetzen, auszunützen und auf vielfältigen Wegen an die Kundschaft heranzukommen. Das sind die KMU. Da gibt es verschiedene Branchen; diese nutzen unterschiedliche Transferplattformen. Es macht überhaupt keinen Sinn, das alles über eine Plattform laufen zu lassen, sondern man muss branchenspezifisch auf diese Plattformen gehen, die Kunden finden. Auch dort gibt es eine Benchmark; man kann sehr genau prüfen, wie viele Kunden überhaupt diese Plattform anfragen, und nachher zahlt man eben nur jenen, die auch einen Erfolg auf der Kundenseite ausweisen.
Ich unterstütze also den Antrag der Mehrheit. Mir war es aber wichtig, diesen Technologietransfer nicht nur im Rahmen dieses kleinen Artikels zu diskutieren, sondern auch aus grundsätzlicher Optik.