Caroni Andrea · Ständerat · 2025-09-22
Caroni Andrea · Ständerat · Appenzell A.-Rh. · FDP-Liberale Fraktion · 2025-09-22
Wortprotokoll
Er liebte das Leben, und er lebte es mit voller Kraft. Völlig unerwartet ist unser Nationalratskollege Alfred "Fredi" Heer in der Nacht auf Freitag, den 19.[NB]September 2025, aus dem Leben gerissen worden, einige Stunden nachdem wir ihm hier im Bundeshaus noch begegnen konnten. Mit grosser Erschütterung und Trauer mussten wir die Nachricht von seinem Tod entgegennehmen.
Seine politische Karriere hat der Stadtzürcher KMU-Unternehmer Alfred Heer in den Parlamenten von Stadt und Kanton Zürich begonnen. 2007 wurde er für die SVP des Kantons Zürich in den Nationalrat gewählt. Dort trat er zuerst in die Kommission für Rechtsfragen ein und wechselte 2011 in die Geschäftsprüfungskommission. In der Aufsicht über die Behörden fand Alfred Heer eine grosse Aufgabe. Bis zu seinem Tod blieb er in der Geschäftsprüfungskommission; er präsidierte sie von 2015 bis 2016 und wurde dann auch Mitglied der Geschäftsprüfungsdelegation, die er von 2019 bis 2021 präsidierte. In diese Zeit fiel zum Beispiel die Untersuchung der sogenannten Crypto-Affäre.
Als Geschäftsprüfer zeichneten ihn seine Akribie und seine Zielstrebigkeit aus. Er wollte den Dingen immer auf den Grund gehen, und so war es keine grosse Überraschung, dass er auch in der PUK zur Credit Suisse und ihrem Untergang Einsitz nahm.
Auch im Jahr 2011 - also in dem Jahr, als er in die GPK eintrat - begann ein anderes Mandat, das er ebenfalls für den Rest seiner Tätigkeit mit grossem Herzblut ausübte: seine Mitgliedschaft in der Europaratsdelegation. Auch die Delegation präsidierte er von 2016 bis 2018. Er engagierte sich in Strassburg im Europarat unter anderem in der Korruptionsbekämpfung. Er war auch oft als Wahlbeobachter unterwegs. Ganz besonders in Erinnerung bleibt sein starkes Engagement für die Wahl von alt Bundesrat Alain Berset zum Generalsekretär des Europarates. Wie in Bern erlangte Alfred Heer auch in Strassburg grossen Respekt über alle Parteigrenzen hinweg. Daneben war er in seiner Zeit als Nationalrat auch noch Mitglied der Immunitätskommission und der Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung der OECD.
Im Ratssaal und in der Öffentlichkeit war Fredi Heer kein Leisetreter. Er hatte eine klare Meinung, und er ist dafür auch immer laut und deutlich eingestanden. Wenn er das Wort ergriff, dann sprach er Klartext und fürchtete sich nicht vor verbalen Auseinandersetzungen. Aber gleichzeitig war er auch ein sehr warmherziger Mensch, ein lebensfroher Kollege, der es mit allen Menschen gut konnte. Er war dabei auch ein unglaublich authentischer Mensch; er spielte nie eine Rolle, und er stand zu seinem Wort.
Wenn ich persönlich an ihn zurückdenke, dann erinnere ich mich daran, wie ich in mehreren der genannten Kommissionen mit ihm tätig sein, ihn erleben durfte. Einmal konnten wir zusammen eine nationale Kampagne führen, in der er ohne Rücksicht auf Parteiparolen für seine Meinung einstand. Ich durfte ihm, dem lokal extrem verwurzelten Menschen, der gleichzeitig ein grosser Kosmopolit war, einmal in seiner weiteren Heimat Italien begegnen, und beinahe hätten wir diesen Herbst noch gemeinsam nach Strassburg reisen können - nach Strassburg, wo er so viel bewegt hatte.
Aber nun fehlt er uns schmerzlich. Kurz vor seinem 64.[NB]Geburtstag ist er aus dem Leben und aus unserem Parlament gerissen worden. Er hinterlässt eine erwachsene Tochter, er hinterlässt Angehörige und sehr viele Freunde, und all diesen wünschen wir nun alle Kraft der Welt und ganz besonders viele unauslöschliche Erinnerungen an Fredi Heer.
Für den Fall, dass Sie seiner noch persönlich gedenken wollen, haben wir drüben im Bundesratszimmer ein Kondolenzbuch aufgelegt. Es enthält schon sehr viele Einträge, und es freut mich, wenn Sie sich auch eintragen.
Nun bitte ich Sie im Saal und auch die Gäste auf den Tribünen, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment der Stille zu gedenken.
[VS]
[VS]
Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen [GZ]
L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt