Riem Katja · Nationalrat · 2025-09-23
Riem Katja · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-09-23
Wortprotokoll
Die SVP-Fraktion hat diese Vorlage genau geprüft. Wir setzen dabei ins Zentrum, dass Praxisnähe in der Ausbildung enorm wichtig ist und dass die Zusammenarbeit mit den Unternehmen in der Schweiz immer zu beachtenswerten Erfolgen führt und damit die Basis des dualen Bildungsweges legt. Wir anerkennen den Effort der Privatwirtschaft im Bereich der Bildung und schätzen ihn extrem, und wir sind gerne bereit, diesen Weg weiter zu stärken.
Die entscheidende Frage ist hier aber eine andere. Wir müssen uns fragen, ob wir für einen spezifischen Bereich eine unverhältnismässige Gesetzesänderung vornehmen sollten. Unsere Minderheit kommt zum Schluss, dass wir dies nicht tun sollten. Wir stützen unsere Position auf folgende Punkte:
Erstens zeigt die Wirkungsanalyse des Nischenmodells nach der ausführlichen Pilotphase, dass es keinen belegbaren Beitrag zur Lösung des Fachkräftemangels leistet. Quantitativ bleibt das Modell unbedeutend, und die meisten dieser Studierenden hätten ohnehin einen Mint-Studiengang aufgenommen. Der Mehrwert ist also gering.
Zweitens ist die Vorlage ein Angriff auf die Berufsbildung. Wir schaffen ein Präjudiz und öffnen die Büchse der Pandora. Heute betrifft die Gesetzesänderung den Mint-Bereich, morgen womöglich andere Fächer. So riskieren wir eine Aufweichung unseres bewährten dualen Bildungssystems. Die Berufslehre und die höhere Berufsbildung garantieren schon heute eine enge Verbindung von Praxis und Theorie. Sie eröffnen vielfältige Wege - auch an die Fachhochschulen und die Universitäten. Wer den Fachkräftemangel wirklich entschärfen will, muss die Berufsbildung stärken, nicht Nischenmodelle an Fachhochschulen ins Gesetz schreiben. Weiter zementiert die Vorlage eine Ungleichbehandlung: Gymnasiastinnen und Gymnasiasten könnten ohne vorgängige Berufsbildung direkt ins Studium einsteigen, während Berufsmaturandinnen und Berufsmaturanden weiterhin zusätzliche Hürden haben. Das ist nicht nachvollziehbar und schwächt langfristig die Attraktivität der Berufsbildung.
Drittens ist der Bildungsmarkt in der Schweiz real. Während die Privatpersonen an den höheren Fachschulen selbst zur Kasse gebeten werden, werden die Studiengänge an den Fachhochschulen vom Steuerzahler berappt. Es ist deshalb auch fragwürdig, ob wir mit dieser Vorlage so klare Anreize in Richtung der Fachhochschulen setzen möchten.
Die Fakten sind also klar: Die Wirkung bleibt marginal, die Gefahr einer schleichenden Verwässerung des dualen Systems ist aber real. Der Handlungsbedarf liegt bei der Berufsbildung, nicht bei neuen Sonderwegen im Hochschulgesetz. Anreize, die Studierende weg von der höheren Fachschule hin zu den Fachhochschulen bringen, führen gleichzeitig zu Mehrkosten, die nicht nötig wären.
Die SVP-Fraktion beantragt deshalb, auf diese Vorlage nicht einzutreten. Unsere Priorität ist die Stärkung der Lehre, der höheren Berufsbildung und der Durchlässigkeit des bestehenden Systems, nicht eine Verwässerung der sehr bewährten heutigen Form. Wir glauben zudem, dass das zusätzliche Jahr an Praxiserfahrung jederzeit enorm wertvoll sein kann, und denken, dass sich diese zusätzliche Zeitinvestition immer lohnt. [GZ]
Wir danken Ihnen für die Unterstützung.