Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2025-09-23
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2025-09-23
Wortprotokoll
Der Fachkräftemangel ist in vielen Berufen ein grosses Thema, auch im Mint-Bereich, und auch hier haben wir noch zu wenig Frauen. Einer der Ansätze, die jetzt gewählt wurden, sind diese praxisorientierten Bachelorstudiengänge von vier Jahren mit 40 Prozent Praxis, ein Zusammenspiel zwischen einzelnen Unternehmungen und Fachhochschulen. Es gab diese praxisbegleitenden Studiengänge schon. Das Neue daran ist, dass ein Zugang von der gymnasialen Matura und - für uns ganz wichtig - auch von der Berufsmatura her gewählt werden kann, ohne dass man vorher ein einjähriges Praktikum gemacht haben muss, was heute die Praxis ist und doch für einige eine recht grosse Hürde darstellt.
Die Evaluation zeigt nun: Es ist ein Nischenprodukt. Bis jetzt zeigen sich keine negativen Auswirkungen auf das Bildungssystem, was vorher eine der grossen Befürchtungen war. Es ist aber auch keine bedeutende Massnahme gegen den Fachkräftemangel. Im Mikrobereich haben wir einige Fachkräfte und auch einige Frauen mehr, die ohne diese Variante den Studiengang nicht gewählt hätten. Insofern ist es insgesamt also sinnvoll.
Aber, und das ist für uns wichtig, das Studium ersetzt nicht die berufliche Aus- und Weiterbildung. Wir Grünen hätten es lieber gesehen, wenn dort investiert worden wäre, nämlich in die Stärkung des Berufsbildungsweges, vor allem auch im finanziellen Bereich, sodass Weiterbildungen günstiger und für alle erschwinglich würden, organisiert über den Service public. Heute ist es leider so, dass Weiterbildung nicht[NB]für[NB]alle[NB]möglich ist - vor allem wenn bereits eine Familie da ist -, und das, obwohl es aufgrund des stetig voranschreitenden technologischen Wandels nötig wäre.
Aus verschiedensten Studien geht leider klar hervor: Wer bereits eine gute Bildung hat, macht anschliessend mehr Weiterbildungen, wird aber auch mehr von den Arbeitgebenden unterstützt. Wer hingegen eine tiefe Bildung und damit einen tieferen Lohn hat, macht weniger Weiterbildungen und wird vor allem auch weniger von den Arbeitgebenden unterstützt.
Das wichtigste Kriterium gegen die Weiterbildung in den Tieflohnbereichen lautet - vor allem wenn noch eine Familie da ist -, man könne es sich nicht leisten. Das dürfte eigentlich kein Argument sein. Wenn die Weiterbildung dann noch mit einer Arbeitszeitreduktion verbunden ist, wird sie schlicht und einfach unmöglich, weil der Lohn dann ja noch tiefer wäre. Wir Grünen machen deshalb ohne grosse Begeisterung mit, einige von uns werden sich sogar enthalten. Mehrheitlich werden wir aber eintreten und zustimmen, weil[NB]es[NB]ein[NB]"My"[NB]in[NB]der[NB]Bekämpfung des Fachkräftemangels im Mint-Bereich darstellt, weil es ein "My" mehr Frauen motiviert hat.
Aber warum dann nur im Mint-Bereich? Hier, meinen wir, könnte man prüfen, ob es nicht auch sinnvoll wäre, solche Studiengänge in anderen Bereichen anzubieten. Wir werden sehr genau prüfen, ob damit keine Abwertung des Berufsbildungsweges verbunden ist. Sonst ist unsere Intervention sicher. [GZ]
In diesem Sinne stimmt unsere Fraktion mehrheitlich zu.