Silberschmidt Andri · Nationalrat · 2025-09-24
Silberschmidt Andri · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2025-09-24
Wortprotokoll
Stellen Sie sich vor, Sie könnten auf Knopfdruck errechnen, wie viel Sie einmal als Rente erhalten, und zwar nicht nur aus der AHV, sondern auch aus Ihrer Pensionskasse und dazu auch noch aus der dritten Säule. Was einfach oder verlockend klingen mag, ist heute in dieser Form leider nicht möglich. Die Rechnung per se ist je nach Säule unterschiedlich schwierig. Bei der AHV dauert es heute ein bisschen länger, bis man die Leistungen in der Pension mit dem individuellen Kontoauszug errechnen kann. Bei der Pensionskasse erhält man jedes Jahr einen Pensionskassenausweis mit den wichtigen Daten als PDF-Dokument oder per Briefpost nachhause geschickt. In der dritten Säule kann man sich quasi jeden Tag beim Anbieter einloggen und schauen, wie viel Geld man dort hat. Aber man hat selten eine Projektion in die Zukunft, wie sich das Ganze entwickeln wird, bis man in Pension geht.
Mathematisch gesehen ist es nicht ganz so schwierig, das zu projizieren und zu simulieren, wenn man Annahmen trifft, wie jene, wonach man das Arbeitspensum gleichermassen wie bisher aufrechterhält und man den gleichen Lohn erhält wie bisher. Dann kann man aufgrund der heutigen Vorsorgesituation relativ einfach errechnen, wie die Vorsorge aussieht, wenn man in Pension geht.
Momentan hapert es jedoch bei den Zugängen. Wir haben es gehört, bei der ersten Säule ist heute eine digitale Schnittstelle nicht möglich. Der Bundesrat macht mit dem Bundesgesetz über Informationssysteme in den Sozialversicherungen vorwärts, und so sollte der Zugang zur ersten Säule hoffentlich bald einfacher werden. Bei der zweiten Säule haben wir auch gehört, dass viele Pensionskassen dabei sind, sich zu digitalisieren und Zugänge zu den Daten sicherzustellen.
Nun ist es aber so, dass es mir als Versichertem nicht hilft, wenn ich bei jeder Säule individuell einen Zugang habe, sondern es ist wichtig, dass die Daten, die geliefert werden, von einer Maschine gelesen und auch interpretiert werden können. Also anders gesagt: Wenn ich verschiedene PDF-Dokumente zusammenlegen muss, kann ich dadurch nur sehr schwierig erahnen, wie denn meine Rente in Zukunft sein wird.
Der Motionär verlangt nun, dass die Anbieter aller drei Säulen die Daten über die Vorsorgesituation der Versicherten standardisiert den Versicherten zur Verfügung stellen. Dann haben die Versicherten die Möglichkeit, mittels noch zu entwickelnder Systeme oder bereits existierender Systeme zu errechnen, wie ihre zukünftige Rente aussehen wird. Das ist sehr wichtig. Wenn wir wollen, dass die Menschen befähigt werden, Entscheide im Hinblick auf ihr Rentendasein zu treffen, müssen sie etwa folgende Fragen stellen können: Sollen sie ihr Pensum erhöhen? Können sie es sich leisten, das Pensum zu reduzieren? Können sie in Erfahrung bringen, wie ihre Rente dereinst aussieht, wenn sie so weiterarbeiten wie bisher? Aber dafür braucht es Daten. Da es, wenn man erwerbstätig ist, in der Schweiz verpflichtend ist, in die erste Säule und in die zweite Säule einzuzahlen, liegt es meiner Meinung nach auch in der Verantwortung der Politik, hier gewisse Rahmenbedingungen zu setzen.
Nun ist klar, dass wir nicht wollen, dass der Staat irgendein Programm baut und alle Schnittstellen vorgeben muss. Deshalb verlangt der Motionär, dass die Schnittstellen in der zweiten und in der dritten Säule von der Privatwirtschaft gemeinsam definiert werden sollen. Die erste Säule ist Sache des Bundes und der Ausgleichskassen. Nur wenn sich die Akteure nicht einigen können, soll der Bund subsidiär eingreifen und eine Lösung suchen. Das ist korrekt, weil wir in der Schweiz als Versicherte keine freie Wahl der Ausgleichskasse oder der Pensionskasse haben. Wir kennen aber einen Versicherungszwang, und deshalb ist es richtig, wenn wir das Recht erhalten, die Daten über unsere eigene Vorsorge unkompliziert zu erhalten.
Es wurde von der Mehrheitssprecherin erwähnt, dass die Befürchtung besteht, dass mit diesem standardisierten Zugang die Finanzbranche mehr Beratungen anbieten kann. Ich finde Beratungen per se weder gut noch schlecht. Aber was ich sagen kann: Wenn wir den Menschen Transparenz über ihre Vorsorgesituation geben, sind sie über ihre eigene finanzielle Situation besser informiert und wahrscheinlich auch weniger bestechlich gegenüber dem einen oder anderen Angebot, wie das vielleicht heute der Fall ist, wenn Berater kommen und etwas versprechen, was die Person vielleicht gar nicht nötig hat.
Also befähigen Sie doch die Menschen, damit sie genau wissen, wie es um ihre Vorsorge steht. Dann können diese auch besser informiert Entscheide fällen, als das vielleicht heute der Fall ist.
In diesem Sinne bitte ich Sie, die starke Minderheit zu unterstützen und den Menschen in der Schweiz bei allen drei Säulen endlich Zugang zu ihren eigenen Vorsorgedaten zu geben.