Herzog Eva · Ständerat · 2025-12-02
Herzog Eva · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2025-12-02
Wortprotokoll
Angefangen hat es mit Fleisch aus St.[NB]Gallen, dann verhängte der Kanton Zug wegen PFAS einen Verkaufsstopp für Hecht und Egli aus dem Zugersee. Im Kanton Zürich können Milchbauern ihre Milch testen lassen, und Lidl ruft Fondue chinoise vom Schweizer Weiderind zurück. Dann haben wir noch gehört, dass die Spermienqualität der jungen Männer zurückgeht, aber nicht überall gleichermassen. So lauteten die Schlagzeilen der letzten Wochen. Einmal habe ich ein Tagesgespräch mit der obersten Chemikerin dieses Landes gehört, in dem sie gesagt hat, die Grenzwerte werden eigentlich meistens eingehalten. Es gibt bisher, glaube ich, vor allem europäische Grenzwerte; ich glaube, die Schweiz hat noch keine eigenen.
Diese unterschiedlichen Schlagzeilen machen gerade jetzt, wo die Kantone isoliert auf Umweltprobleme reagieren, sehr klar, dass uns Langzeitdaten und tiefere Erkenntnisse fehlen, die durch Vergleiche dieser Daten ermöglicht würden. Es zeigt sich, dass wir eine national koordinierte Datenerhebung im Rahmen einer nationalen Gesundheitsstudie brauchen. Natürlich sollten wir diese Daten schon lange haben. Seit Jahren versucht man, die Mittel für eine solche Gesundheitsstudie aufzutreiben. Es wurde gesagt, der Betrag erscheine hoch: 10 Millionen Franken pro Jahr, um 10[NB]000 Personen zu rekrutieren, die man dann über zehn Jahre hinweg befragen würde, von denen man Blutproben nehmen würde, Daten und den Gesundheitszustand erfassen würde. Man könnte Fragen zu Prävention und zu Belastungen beantworten.
Jetzt fliegen wir irgendwie auf Sicht, um zu beurteilen, ob die Massnahmen sinnvoll sind, die die Kantone ergreifen. Vielleicht sind sie gar nicht sinnvoll, und vielleicht müssen sie das auch überhaupt nicht sein, weil die Belastung gar nicht [PAGE 1108] stark zugenommen hat. Vielleicht führen einfache Massnahmen zum Ziel. Das könnte man über Daten aus verschiedenen Regionen, in denen verschiedene dieser Massnahmen vielleicht schon ergriffen werden, vergleichend überprüfen. Aber all diese Daten haben wir nicht. In vielen Ländern Europas gibt es solche nationalen Gesundheitskohorten, in der Schweiz haben wir sie bisher nicht.
Es gab viele Versuche seitens der Forschung - auch mit Dritten -, die Finanzierung sicherzustellen. Die Wissenschaft ist interessiert, auch die Industrie ist interessiert, aber es ist bisher einfach nicht gelungen, das Geld aufzutreiben. Sie haben auch gelesen, dass das Bundesamt für Gesundheit eine Pilotstudie durchgeführt hat, die als sehr gut bewertet worden ist. Es hätte diese eigentlich gerne weitergeführt und wäre gerne in eine grosse Studie eingestiegen, aber das Geld fehlt. Einige erinnern sich vielleicht: Wir hatten schon vor Jahren eine Diskussion über die Motion Roduit 19.4069, in der es vor allem um Daten von Kindern ging. Da sagten wir auch: Ja, warten wir doch jetzt mal damit zu.
Es sollte jetzt eigentlich eine grosse Studie geben, in die das Anliegen integriert werden könnte. Darum geht es jetzt.
Ich reichte in der letzten Session die Interpellation 25.4261 ein, die nächste Woche traktandiert ist. In seiner Stellungnahme bestätigt der Bundesrat die Bedeutung einer solchen Gesundheitskohorte. Er sagt darin: "Eine nationale Kohorte würde es ermöglichen, die langfristige Entwicklung des Gesundheitszustands und der Qualität und Leistungsfähigkeit der Gesundheitsversorgung in der Schweiz zu beobachten und besser zu verstehen, wie z.[NB]B. Umwelteinflüsse und Lebensweise mit der Entwicklung von Krankheiten zusammenhängen." Ich habe es gesagt, es ist nie die richtige Zeit, man hat immer irgendwelche anderen Prioritäten. Das ist etwas, wo man nicht sofort Resultate sieht. Diese Unsicherheiten, die das Thema PFAS gerade jetzt bei uns allen hervorruft, zeigen, glaube ich, dass es schön wäre, wenn wir sie schon hätten. Es ist aber noch nicht zu spät, damit anzufangen.
Wir haben einleitend darüber gesprochen, dass wir uns nicht ganz einig sind, wie viel Handlungsspielraum vorhanden ist. Wenn man den Zahlen glauben darf - und Zahlen lügen nicht -, sind die 10 Millionen Franken dafür vorhanden, wie[NB]mein[NB]Kollege[NB]eingangs schon gesagt hat; das ist überhaupt kein Problem. Wir könnten diese Investition tätigen, die wirklich sehr nachhaltig ist. Ich bitte Sie deshalb im Sinne der Langfristigkeit, meine Minderheit zu unterstützen. Weil verschiedene Ämter jetzt schon miteinander zusammenarbeiten, ist ein Teil im BAG und ein weiterer Teil, der mehr die Wissenschaft betrifft, im WBF eingestellt.
Also, ich bitte Sie herzlich um Unterstützung meiner Minderheit.