Lexipedia

Rösti Albert · Bundesrat · 2025-12-03

Rösti Albert · Bundesrat · Bern · 2025-12-03

Wortprotokoll

Ich glaube, die Zielsetzung ist unbestritten. Wir müssen alles daransetzen, unsere Alpwirtschaft zu erhalten, nicht nur wegen der Landwirtschaft - es wurde vorhin gerade gesagt -, sondern auch wegen der Biodiversität, und dazu ist die Offenhaltung der Landschaft, gerade in höheren Gebieten, notwendig. Ich denke, das ist auf der einen Seite unbestritten. Auf der anderen Seite wissen wir, es handelt sich um eine geschützte Tierart. Auf dieser Gratwanderung bewegen wir uns.

Ich will hier nicht die ganze Wolfspolitik wiederholen, ich möchte Ihnen einfach sagen, wo wir stehen. Die neue Verordnung wurde zuerst provisorisch eingesetzt und ist seit letztem Jahr definitiv in Kraft. Jetzt können wir auf drei Jahre mit dieser Verordnung, insbesondere auch mit der proaktiven Wolfsregulierung, zurückschauen. Ich brauche zwar nicht auf die Kritik hinzuweisen, die diese Verordnungsänderung verursacht hat, mache es aber trotzdem. Ich sage Ihnen aus Überzeugung: Ohne diese Verordnungsänderung, ohne diese Massnahmen - sie wurden vorhin zum Teil auch erwähnt - hätten wir wohl deutlich schwierigere Verhältnisse. Wir sind auf dem absolut richtigen Weg. Zwar steigt die Anzahl der Rudel weiter, aber ich gehe davon aus, dass die proaktive Regulierung die Wölfe doch zum Teil scheu macht und wir in den letzten Jahren trotz mehr Rudeln weniger Schäden hatten. Die Zahl der Rudel ist von 13 bis 26 im Jahr 2022 auf irgendwo in den Bereich von 30 bis 41 im Jahr 2025 gestiegen - das variiert immer je nach Saison. Die exponentielle Steigerung konnten wir also dank der proaktiven Regulierung, indem ganze Rudel eliminiert werden können, stoppen, aber das Wachstum ist nach wie vor da; der Wolfsbestand wächst nach wie vor. Hingegen konnten die Wolfsrisse deutlich reduziert werden von 1800 im Jahr 2022 auf etwas unter 1000 im Jahr 2024. Wir gehen davon aus, dass die Risszahl, wir wissen es noch nicht exakt, im Jahr 2025 etwa gleich sein wird. Die Massnahmen wirken also.

Das BAFU konnte auch die meisten Gesuche aus den Kantonen bewilligen. Ich erwarte von den Kantonen einfach, dass sie die Möglichkeiten, die bestehen, auch umsetzen. Damit meine ich nicht nur die Elimination von Rudeln. Es bedeutet auch, dass Wölfe, die irgendwo in der Nähe von Siedlungen herumstreunen und eine Gefahr für Mensch oder Tier darstellen, geschossen werden, und zwar über das ganze Jahr. Es ist wichtig, dass man das sagt: Einzelwölfe, die eine Gefahr darstellen, können das ganze Jahr über eliminiert[NB]werden.[NB]Dafür[NB]haben wir das richtige Instrumentarium, ohne den Bestand, der steigt - Sie haben es gehört -, zu gefährden.

Was mir persönlich und auch dem Bundesrat jetzt Sorge bereitet, ist nicht unbedingt die Entwicklung der Risszahlen beim Kleinvieh, sondern es sind vor allem die Attacken auf Rindvieh, das wurde vorhin gesagt, die sich im letzten Jahr gehäuft haben und zunahmen. Lange hat man gesagt, das werde nicht passieren. Aber wir haben mehr Attacken auf Grossvieh, auf Rinder, und das müssen wir sicher sehr gut im Auge behalten. Grundsätzlich haben wir ein breites Instrumentarium, mit dem reagiert werden kann.

Der Bundesrat ist bereit, das sehr eng zu verfolgen. Sie kennen auch meine persönliche Haltung und wissen, dass ich dieses Problem um jeden Preis lösen will, auch im Interesse der Direktbetroffenen, die sehr stark darunter leiden, aber immer mit dem Wissen, dass es eine geschützte Tierart ist.

Der Bundesrat will deshalb zuerst das Postulat 25.3027 der UREK-N, "Evaluation des Jagdgesetzes und des Verteidigungsabschusses als mögliche Ergänzung", umsetzen und Ihnen Bericht erstatten. Ich kann Ihnen versichern, dass wir hier nicht wie bei einem Postulat üblich einfach zwei Jahre warten. Wir sind hier intensiv an der Arbeit und werden allfällige zusätzliche Massnahmen prüfen. Der Bundesrat ist aber gleichzeitig der Meinung, dass es jetzt verfrüht wäre, schon Massnahmen zu treffen - dies allerdings auch im Wissen, dass der Ständerat die beiden Motionen, über die wir gesprochen hatten, sehr klar angenommen hat. Zum heutigen Zeitpunkt bittet Sie der Bundesrat aufgrund der positiven Entwicklung und angesichts der nicht endgültigen Lösung, die Motion Broulis und dann auch die nächste Motion Friedli Esther - ich komme dann darauf zu sprechen - abzulehnen und das Vertrauen zu haben, dass wir nahe daran bleiben und Ihnen bei Bedarf, wenn das dann nötig erscheint, weitere Massnahmen vorschlagen werden.