Stark Jakob · Ständerat · 2025-12-04
Stark Jakob · Ständerat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-04
Wortprotokoll
Ich möchte an das Votum von Herrn Würth anschliessen und mir erlauben, hier nochmals zu insistieren. Es ist ja eigentlich keine grosse Vorlage, und Sie wundern sich vielleicht, dass wir hier so debattieren. Aber ich habe schon das Gefühl, dass bei dieser Vorlage eine Grundsatzfrage zu entscheiden ist, und zu dieser Grundsatzfrage sollten wir uns äussern. Herr Fivaz hat es angetönt, ich sehe es einfach in der Schlussfolgerung etwas anders.
Wie sind heute die Zulassungsbestimmungen? Wir haben eine klare Zweiteilung: Für die Zulassung zu den universitären Hochschulen und zur ETH braucht es die gymnasiale Maturität, für die Zulassung zu den Fachhochschulen braucht es die Berufsmatura. Man hat dafür gesorgt, dass es Übergänge gibt. Wenn man mit einer Berufsmatura an die universitäre Hochschule möchte, dann braucht man die Passerelle, also ein Jahr Vollzeitschule. Diese schliesst mit einer Ergänzungsprüfung für die Zulassung zu den Schweizer Hochschulen ab. Die Passerelle muss eine gleichwertige Ausbildung sicherstellen, das heisst, die Passerelle verlangt von den Berufsmaturandinnen und -maturanden ein Niveau der gymnasialen Matura. Das wird sichergestellt. Wie ist es, wenn man die gymnasiale Matura hat und an die Fachhochschule will? Dann braucht man, ich zitiere das Gesetz, eine "einjährige Arbeitswelterfahrung, die berufspraktische und berufstheoretische Kenntnisse in einem dem Fachbereich verwandten Beruf vermittelt hat", kurz: ein einjähriges Praktikum. Ob dieses mit der vierjährigen Lehre gleichwertig ist, ist weder vorgeschrieben noch sichergestellt.
Ich komme also in einem Zwischenfazit zur Gleichwertigkeit dieser Übergänge zum Schluss: Gemäss der heutigen Regelung beträgt das zeitliche Erfordernis bei beiden Übergängen ein Jahr. Man muss ein einjähriges Praktikum oder die einjährige Passerelle machen. Der Unterschied ist: Wenn man die Berufsmaturität hat, dann muss man eine eidgenössische Ergänzungsprüfung absolvieren. Wenn man hingegen die gymnasiale Matura hat, dann muss man einfach ein prüfungsfreies Praktikum machen. Das heisst also, dass die Hürde heute schon höher ist, wenn man eine Berufsmatura hat. Mit einer gymnasialen Matura kommt man einem sehr weit entgegen.
Und jetzt kommt der springende Punkt: Beim praxisintegrierten Bachelorstudium (Pibs) gibt es in Zukunft keine Hürde mehr, wenn man die gymnasiale Maturität hat. Wenn man die gymnasiale Maturität hat, hat man in Zukunft also freien Zugang zu den Fachhochschulen. Und da sage ich Ihnen: Wehret den Anfängen - wehret den Anfängen! Es wird nicht besser, es wird nur viel, viel komplizierter. Allen, die diese Regulierung bekämpfen möchten, sage ich: Je komplexer Sie die Regeln machen, desto weiter geht die Regulierung.
Ich komme zum Fazit: Die gymnasiale Maturität ist gegenüber der Berufsmaturität schon heute gewissermassen privilegiert, ich habe es Ihnen dargestellt. Mit dem Pibs würde die gymnasiale Maturität neue Möglichkeiten erhalten, welche die Berufsmaturität umgekehrt nicht erhält. Das heisst, die gymnasiale Maturität wird noch attraktiver. Wenn man sich überlegt, was man werden möchte, dann weiss man genau: Wenn man die gymnasiale Maturität macht, dann steht einem nachher alles offen.
Die gymnasiale Maturität sollten wir nicht fördern. Die Maturitätsquote ist jetzt schon zu hoch. Die gymnasiale Maturitätsausbildung soll sich auf den Zugang zum Studium an der ETH und den universitären Hochschulen fokussieren. Aus den Pilotprojekten ist zu hören, dass 50 Prozent der Pibs-Teilnehmer Studienabbrecher aus der ETH sind. Da muss ich Ihnen sagen: Wäre es nicht viel sinnvoller gewesen, diese hätten alle eine Berufslehre und die Berufsmatura gemacht? Wir sollten jetzt ein Zeichen setzen und sagen: Das ist nicht der richtige Weg. 50 Prozent der Pibs-Teilnehmenden sind Studienabbrecher der ETH!
Ein weiterer Punkt ist für mich sehr wichtig: Wir müssen der dualen Bildung Sorge tragen. Wir dürfen sie nicht erodieren lassen. Wir müssen die Bedeutung und die Würde der Lehre bewahren.
Deshalb empfehle ich Ihnen wirklich mit grosser Überzeugung, hier nicht einzutreten.