Meier Andreas · Nationalrat · 2025-12-10
Meier Andreas · Nationalrat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-12-10
Wortprotokoll
Die Ernährungs-Initiative gibt vor, die Versorgungssicherheit der Schweiz zu stärken. Sie bewirkt genau das Gegenteil. Sie ist ideologisch geprägt, realitätsfern und gefährlich für unsere Landwirtschaft, für unsere Konsumentinnen und Konsumenten und für den ländlichen Raum insgesamt. Deshalb empfehle ich die Initiative klar und unmissverständlich zur Ablehnung. Auch der Minderheitsantrag aus der WAK-N ist unnötig. Es gibt bereits genügend Instrumente. Eine Frage ist höchstens der Vollzug und nicht die Verfassung.
Das Ziel eines Nettoselbstversorgungsgrads von 70 Prozent ist unter den geografischen und strukturellen Bedingungen unseres Landes nicht erreichbar. Ich stamme zwar aus einem Ackerbaugebiet der Schweiz. Aber unser Land ist kein Ackerland, es ist ein Grasland. Ein grosser Teil unserer Flächen, insbesondere in Berg-, Voralpen- und Juragebieten, kann ausschliesslich als Grünland genutzt werden. Diese Flächen liefern nur dann Lebensmittel, wenn dort Nutztiere gehalten werden. Wer die Tierhaltung zurückdrängt, nimmt diese Flächen faktisch aus der Lebensmittelproduktion heraus. Der Bundesrat hat klargestellt, dass die Tierbestände um nahezu 50 Prozent reduziert werden müssten, um dieses Ziel zu erreichen. Das wäre ein radikaler Umbau unserer Landwirtschaft. Gleichzeitig soll der Pflanzenbau massiv ausgeweitet werden, selbst dort, wo Böden, Klima und Topografie klar dagegen sprechen. Das Resultat wären tiefere Erträge, höhere Risiken und eine insgesamt geschwächte Versorgungssicherheit.
Besonders störend ist der Angriff auf die Konsumfreiheit. Die Schweizer Bevölkerung müsste sich überwiegend vegetarisch oder vegan ernähren. Das ist keine Nachhaltigkeitspolitik, das ist Bevormundung. Auch wenn der Staat offensichtlich nie ganz davon lassen kann, hat er dennoch nicht zu entscheiden, was auf unseren Tellern liegt.
Die Initiative verhindert zudem Fortschritt. Die Forderung nach samenfestem Saatgut und der Ausschluss moderner Züchtungsmethoden werfen die Landwirtschaft um Jahrzehnte zurück. Gerade angesichts des Klimawandels brauchen wir Innovation, widerstandsfähige Sorten und höhere Produktivität, nicht ideologisch motivierte Verbote. Sinkende Erträge führen zwangsläufig zu höheren Preisen. Und höhere Preise haben eine weitere absehbare Folge: den Einkaufstourismus. Wer sich hierzulande keine tierischen Produkte mehr leisten kann oder sie kaum noch erhält, wird sie im Ausland kaufen. Das schadet uns nur und bringt ökologisch rein gar nichts.
Auch die ökologischen Versprechen halten einer Prüfung nicht stand. Ohne Nutztiere brechen Nährstoffkreisläufe zusammen. Hofdünger fehlt, Böden verarmen. In Bergregionen führt der Abbau der Tierhaltung zu Verbuschung und Verwaldung. Wertvolle Kulturlandschaften verschwinden, die Biodiversität nimmt genau dort ab, wo sie heute besonders hoch ist.
Zentrale Anliegen wie Versorgungssicherheit, ökologische Nachhaltigkeit, standortgerechte Produktion und Innovationsförderung sind längst Bestandteil der Agrarpolitik 2030. Die Initiative addiert keinen Mehrwert, sondern ersetzt bewährte Instrumente durch ideologische Vorgaben und ist somit überflüssig.
Erlauben Sie mir eine politische Einordnung der Initiative. Aus genau diesem ideologischen Umfeld ist man in der Vergangenheit regelmässig an der Urne gescheitert, zuletzt mit der Trinkwasser-Initiative. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben ein feines Gespür dafür, wann ihnen mit wohlklingenden Titeln radikale Zwänge untergejubelt werden sollen. Ich bin überzeugt, dass auch diese Initiative an der Realität und am Volkswillen scheitern wird, nachdem ich die Voten von vorhin gehört habe - möglicherweise so deutlich wie kaum eine zuvor.
Als Präsident von Carna Libertas spreche ich mich klar für die Freiheit des Konsums und für den verantwortungsvollen Genuss von Fleisch aus. Eine nachhaltige Landwirtschaft braucht Vielfalt, Tierhaltung und Pflanzenbau. Diese Initiative spaltet, bevormundet und schwächt - bei weniger[NB]Versorgungssicherheit, weniger Freiheit und höheren Preisen. [GZ]
Empfehlen wir sie deshalb entschieden zur Ablehnung!