Lexipedia

Suter Gabriela · Nationalrat · 2025-12-11

Suter Gabriela · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2025-12-11

Wortprotokoll

Wenn man den Gegnerinnen und Gegnern zuhört, dann könnte man meinen, die Schweiz verliere ihre Freiheit, sobald wir lautes Feuerwerk einschränken. Die Realität ist aber eine andere. Die Knallerei rund um den[NB]1.[NB]August und Silvester hat in den letzten Jahren massiv zugenommen und mit ihr die Belastung für Mensch, Tier und Umwelt. Wer Tiere hat, weiss, was diese Tage und Nächte bedeuten. Haustiere zittern, hecheln, verstecken sich panisch. Nutztiere geraten in Stresssituationen, die gefährlich werden können. In unseren Wäldern fliehen Wildtiere kopflos vor dem Lärm, oft mitten auf Strassen oder in Gebiete, in denen sie nicht überleben können. Das ist für viele Halterinnen, Landwirte und Naturverbundene jedes Jahr aufs Neue ein belastender Anblick.

Aber nicht nur Tiere leiden. Kinder und von Krieg traumatisierte Menschen werden verängstigt, ältere Menschen fühlen sich ausgeliefert, viele Betroffene mit gesundheitlichen Einschränkungen verbringen diese Nächte mit Angst und schlaflosen Stunden. Jahr für Jahr verletzen sich Menschen schwer an Feuerwerk; es entstehen Verbrennungen, Brandwunden, Augenverletzungen, bleibende Hörschäden. Vor allem Kleinkinder können sich nicht schützen, und jede verlorene Hörzelle ist unwiederbringlich weg. Ein einziger Böller kann ein Ohr um Jahrzehnte altern lassen. Dass bereits viele junge Menschen messbare Hörschäden durch Feuerwerk haben, ist ein alarmierendes Zeichen.

Gleichzeitig belasten wir unsere Umwelt mit dem Feuerwerk unnötig. Rund 3 Prozent des gesamten Feinstaubs stammen einzig aus Feuerwerk. Für eine reine Freizeitaktivität ist das eine enorme Menge. Mit jedem Knall gelangen Schadstoffe und Schwermetalle in Luft und Böden, und nach den Festtagen bleiben Strassen, Gärten und Felder voller Müll zurück. Wir bemühen uns, die Emissionen überall zu senken. Warum sollten wir ausgerechnet hiervor die Augen verschliessen?

Artikel 74 der Bundesverfassung verpflichtet den Bund, Mensch und Umwelt vor schädlichen und lästigen Einwirkungen zu schützen. Dazu gehört explizit auch Lärm. Es ist Zeit, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Und Hand aufs Herz: Was fasziniert Sie denn wirklich am Feuerwerk? Sind es die ohrenbetäubenden Explosionen, der beissende Rauch, der Dreck, oder sind es nicht vielmehr die Farben, das Funkeln, das Staunen? Genau das können wir bewahren, ganz ohne Knall. Stille Pyrotechnik, Drohnenshows und neue Lichtinszenierungen zeigen seit Jahren, wie beeindruckend Feuerwerk sein kann, ohne Mensch und Tier zu belasten. Dass ein Umdenken längst stattfindet, zeigen repräsentative Umfragen. Bis zu 76 Prozent der Bevölkerung wünschen sich ein Verbot lauter privater Feuerwerke. Die Mehrheit sehnt sich nach ruhigeren Festtagen, nach Rücksicht, nach verantwortungsvollem Feiern.

Die Kommission hat deshalb einen vernünftigen Gegenvorschlag erarbeitet, der - ergänzt um die beiden Anträge der Minderheiten Baumann - eine gute Alternative zur Initiative darstellt. Der Gegenvorschlag, aber auch die Initiative, sind moderat. Niemand will Feuerwerk komplett verbieten. Traditionelle zentrale Feuerwerke bleiben erlaubt. Private dürfen weiterhin stille Effekte einsetzen. Einschränkungen treffen einzig jene Knalleffekte, die am meisten Schaden, Angst und Stress verursachen. Beide Lösungen schaffen einen fairen Ausgleich. Wir bewahren unsere Traditionen und schützen gleichzeitig, was uns wichtig ist. Es geht um Respekt, es geht um Gesundheit, um Tiere, die auf uns angewiesen sind, und um Nachbarinnen und Nachbarn, die ein Recht auf Ruhe haben.

Darum sage ich auch als Präsidentin der Lärmliga Schweiz überzeugt Ja zur Initiative und zum Gegenvorschlag. Machen auch Sie diesen menschlichen, verantwortungsvollen Schritt für mehr Rücksichtnahme, für mehr Schutz, für Festtage, die wir gemeinsam geniessen können.