Haab Martin · Nationalrat · 2025-12-17
Haab Martin · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-17
Wortprotokoll
Einmal mehr behandeln wir hier in diesem Rat eine Initiative, welche als Wolf im Schafspelz daherkommt. Die Initiative trägt den trügerische Namen "Für eine sichere Ernährung - durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser". Man könnte sie auch Trinkwasser-Initiative 2.0 oder Vegizwang-Initiative nennen. Die Trinkwasser-Initiative hat der Souverän im Jahr 2021 mit über 60 Prozent abgelehnt. Auch ähnliche Initiativen wie die Massentierhaltungs-Initiative oder die Initiative "für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide" wurden klar abgelehnt. Der Wille des Stimmbürgers und Konsumenten ist somit bekannt und mehr als klar.
Die vorliegende Initiative fordert bei den Nahrungsmitteln für die Schweiz einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent. Das tönt wunderbar in den Ohren eines Landwirts, welcher sich ganz nach dem Verfassungsauftrag des Bundes der Produktion von nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln im tierischen sowie im pflanzlichen Bereich verschrieben hat. Gerade in diesen Tagen konnten Sie in der Zeitung "Schweizer Bauer" lesen, dass der Nettoselbstversorgungsgrad im vergangenen Jahr auf 42 Prozent gesunken ist. Die Gründe sind vielschichtig, doch die fehlenden Hilfsmittel gerade für die pflanzliche Produktion sind einer der Hauptgründe. Im Lichte dieser fehlenden Hilfsmittel für den Pflanzenschutz ist die Forderung nach einem Ausbau von sensiblen und anfälligen Kulturen in unserem Land geradezu ein Hohn.
Die Forderung nach einem Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent ist unter den heutigen Produktionsbedingungen eine reine Utopie. Warum eine Utopie? Die Fakten sprechen eine klare Sprache. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, benötigten wir eine radikale Umstellung der Ernährung von Herrn und Frau Schweizer: weg vom Tierischen wie Fleisch, Milch, Käse und Eiern hin zu Gemüse, Tofu, Linseneintopf, Kraut und Rüben. Somit wäre es am Staat, unseren Schweizern das tägliche Menü zu diktieren, denn freiwillig ernährt sich nachweislich praktisch niemand so. Es würden bei uns nordkoreanische Verhältnisse herrschen, mindestens was das Essverhalten betrifft. Laut Statistik ernährt sich heute weniger als 1 Prozent der Bevölkerung vegan. Wenn man die Umsatzzahlen der künstlich produzierten Veganprodukte anschaut, stellt man mit Ernüchterung fest: Tendenz rückläufig.
Bei Annahme der Initiative müssten wohl die Grenzen dichtgemacht werden. Die Einkaufstouristen würden noch öfters ins grenznahe Ausland pilgern und die bei uns nicht mehr oder nur zu völlig überhöhten Preisen erhältlichen tierischen Lebensmittel im grenznahen Ausland einkaufen.
Drei Viertel der Landesfläche der Schweiz können nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Somit verbleiben rund 1 Million Hektar Land. Davon sind gerade einmal 440[NB]000 Hektar ackerbaulich nutzbar, sogenannte Fruchtfolgeflächen. Der Rest besteht aus Grünland, Wiesen, Weiden, dazu noch Biodiversitätsflächen im Umfang von fast 200[NB]000 Hektaren. Die Biomasse, welche auf diesen Flächen heranwächst, kann nun mal nur über den Wiederkäuer für die menschliche Ernährung genutzt werden. Die Natur hat unsere Kühe, Ziegen und Schafe mit der wunderbaren Eigenschaft ausgerüstet, für den Menschen nicht nutzbares Grüngut in wertvolle Nahrungsmittel umzuwandeln.
Der Konsument entscheidet mit seinem Einkaufsverhalten tagtäglich darüber, welche Produkte bei uns angebaut und erzeugt werden sollen. Er entscheidet zum Glück immer noch selbst, was auf seinem Menüplan steht. Auf dem Teller hat der Staat nichts zu suchen. Und unser mündiger Konsument entscheidet sich für Fleisch, Käse und Milchprodukte. Als Beispiel können wir das Geflügelfleisch nehmen. Allein der Geflügelfleischkonsum hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt. Der Konsument entscheidet sich nicht für Ersatzprodukte und Fleischalternativen. Hülsenfrüchte sind und bleiben eine Nische und haben auch in kleinen Mengen[NB]grösste Mühe, in der verarbeitenden Industrie einen Absatz zu finden. Die Schweizer Landwirte wollen auch in Zukunft jene Produkte produzieren, welche die heimische Bevölkerung auf dem Teller will, und dies, wie bis anhin, in nachhaltiger Art und Weise.
Lehnen Sie darum mit mir und der ganzen Schweizer Landwirtschaft die Initiative sowie den Gegenvorschlag ab.