Wandfluh Ernst · Nationalrat · 2025-12-17
Wandfluh Ernst · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-17
Wortprotokoll
Die Schweiz ist ein Grasland. Die Alpen machen rund 60 Prozent der Fläche unseres Landes aus. In diesen Gebieten ist pflanzliche Produktion nicht oder nur stark eingeschränkt möglich. Die Offenhaltung unserer Kulturlandschaft gelingt nur mit der Tierhaltung. Auch im Flachland, im ackerbaufähigen Gebiet, spielt Grünland durch Kunstwiesen eine zentrale Rolle. Sie sind unverzichtbar für die Gesunderhaltung der Böden und der Ackerfrüchte, denn die Fruchtfolge mit Gras gehört zu den wichtigsten Praktiken einer nachhaltigen Landwirtschaft.
Die Tierhaltung gehört zu unserer Schweizer Tradition. Sie ist Teil unseres Kulturgutes, genauso wie das Matterhorn oder das Skifahren. Die Schweizer Landwirtschaft produziert, was der Markt und der Konsument verlangen. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen: Der Fleischkonsum pro Kopf ist in der Schweiz in den letzten Jahren sehr stabil geblieben. Im Jahr 2024 ist er sogar um 2,9 Prozent gestiegen. Die Bevölkerung vertraut der Schweizer Landwirtschaft und kauft Schweizer Fleisch, Milch und Eier, weil diese unter Einhaltung der höchsten Tierschutzstandards produziert werden.
Die Schweizerinnen und Schweizer wollen keine Bevormundung, wenn es darum geht, was sie essen sollen. 95 Prozent der Bevölkerung essen regelmässig Fleisch. Die Initiative will uns vorschreiben, was wir essen sollen. Das kann doch nicht sein! Die Folge der Umsetzung dieser Initiative wäre ein sinkender Inlandanteil und ein Verlust der Wertschöpfung; letztlich führt die Initiative gar zu stark steigenden Importen. Die verpönten Chlorhühner, über die wir heute schon gesprochen haben, landen dann definitiv auf Schweizer Tellern.
Mich ärgert aber am meisten, dass hier in Bezug auf die Schweizer Landwirtschaft vor allem betont wird, was wir alles nicht gut machen würden. Sie werfen uns vor, dass wir mit Gülle und Mist unsere Böden vergiften würden, wir seien die schlimmsten Umweltsünder. Das ist einfach nicht korrekt und eine unfaire Unterstellung! Die Wahrheit ist, dass wir nur dank der Landwirtschaft und der Tierhaltung eine solch schöne, gepflegte Landschaft haben.
Fällt in der Schweiz überhaupt zu viel Mist und Gülle an? Nein, in der Schweiz fällt nicht zu viel Dünger an. Die Schweiz ist trotz Tierhaltung noch auf Kunstdüngerimporte angewiesen. Landwirte dürfen nicht mehr Nährstoffe ausbringen, als die Pflanzen benötigen. Jeder Betrieb muss eine ausgeglichene Nährstoffbilanz ausweisen. Das wurde in den letzten Jahren sogar noch verschärft. Hofdünger ist zudem wertvoll, weil er die Bodengesundheit fördert, indem er die Humusbildung stärkt.
Woher kommt der Phosphor in gewissen Seen? Diese Probleme haben den Ursprung in der Vergangenheit. In diesen Mittellandseen, die immer wieder genannt werden - der Sempachersee, der Hallwilersee, der Baldegger- oder der Zugersee -, vollzieht sich der Abbau von eingelagertem Phosphor sehr langsam, weil es in diesen Seen sehr wenig Durchfluss gibt. Das ist ein Problem aus der Vergangenheit. Noch in den 1980er-Jahren gelangten sehr viele Siedlungsabfälle von Ihnen allen in diese Seen. Die Zahl der Kläranlagen in der Schweiz betrug im Jahr 1965 erst[NB]67.
Zum Schluss noch ein Gedanke: Wer Hunger hat, der hat ein Problem - wer keinen Hunger hat, der hat tausend Probleme. Dieses Sprichwort kommt aus einer Gegend, in der man regelmässig Hunger hat. Sie sollten das vielleicht einmal bedenken, bei all dem, was Sie hier immer sagen.
Lehnen Sie diese extreme und ideologische Initiative sowie auch den Gegenvorschlag ab. Die Bäuerinnen und Bauern und die Metzgerschaft werden es Ihnen danken. Es wird nämlich schon längstens alles Nötige gemacht.