Reimann Lukas · Nationalrat · 2025-12-17
Reimann Lukas · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-17
Wortprotokoll
Im Gegensatz zu vielen Vorrednern unterstütze ich einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent. Wenn wir jetzt nicht vorausschauend in Richtung eines höheren Selbstversorgungsgrades arbeiten, dann werden wir irgendwann dazu gezwungen sein. Es ist bekannt: Wenn Nahrungsmittelknappheit herrscht, schaut jedes Land zuerst für sich selber. Die globale Versorgung mit Nahrungsmitteln ist in den nächsten Jahren durch den Krieg in der Ukraine gefährdet. Die Ukraine ist der weltweit viertgrösste Exporteur von Getreide und Ölfrüchten. Über 50 Prozent der weltweiten Sonnenblumenölproduktion stammen aus der Ukraine. Länder im Nahen Osten und in Nordafrika decken mehr als die Hälfte ihres Bedarfs an Getreide mit Importen aus der Ukraine und aus Russland. Fehlen diese, kommt es zu einer massiven Verknappung und Verteuerung der Nahrungsmittel und somit zu Hunger und Unruhen in vielen Teilen der Welt.
Daraus folgt, dass die Schweiz auf die eigene, inländische Produktion setzen muss, statt teure Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt zu besorgen und zu importieren. Irgendwann wird es nicht mehr möglich sein, alles so einfach zu importieren. Auch für die Schweizer Versorgung sind Importe aus der Ukraine und aus Russland wichtig. Russland ist weltweit der grösste Exporteur von Düngemitteln; 2021 wurden 24[NB]000 Tonnen in die Schweiz exportiert, 14[NB]000 Tonnen davon waren Stickstoffdünger. Zudem kommen viele Importe aus der EU ursprünglich aus der Ukraine. Somit hat das Kriegsgeschehen in der Ukraine direkte Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit der Schweiz mit Nahrungs- und Futtermitteln sowie Dünger.
Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz ist zu tief. Im Klartext: Wenn wir uns in der Schweiz nur noch von dem ernähren könnten, was im Inland produziert wird, dann hätte nur noch jede zweite Person Essen auf dem Tisch. Deshalb muss die Schweiz auf die eigene, inländische Produktion setzen, statt Nahrungsmittel im Ausland zu besorgen und mit unsinnigen Ökoprojekten die einheimische Landwirtschaft weiter zu schwächen. Konkret ist der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln zeitnah und massiv zu erhöhen, eine möglichst hohe Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln im [PAGE 2414] Inland sicherzustellen, sind sämtliche ideologischen links-grünen Agrar- und Ökoprojekte zu sistieren, die den Selbstversorgungsgrad und die Produktivität der Schweizer Landwirtschaft senken, die Pflichtlager laufend zu überprüfen und die Pflichtlagerhaltung zu erhöhen.
Die Initiative ist der falsche Weg zu einem höheren Selbstversorgungsgrad. Mit der Initiative wird einzig die Spaltung zwischen Bauernfamilien und Konsumenten gefördert. Es ist ein Schwarzpeterspiel. Die griffigste Massnahme für mehr Nachhaltigkeit besteht in der sauberen Deklaration von Lebensmitteln an der Verkaufsfront und auch bei verarbeiteten Lebensmitteln. Solange Lebensmittel aus Kriegsgebieten in die Schweiz importiert werden, müssen die Importeure und die Endverbraucher in die Pflicht genommen werden. Die Landwirtschaft hat ihre Hausaufgaben längst gemacht, und sie verdient höchsten Respekt.
Oft wird in dieser Debatte auch vergessen, dass letztendlich der Markt spielt. Eine Landwirtschaft, wie sie die Initiative vorsieht, kann sich der Konsument nicht leisten. Oder wie erklären Sie sich die zunehmenden Importe von EU-Billigbio und eine Stagnation des Anteils von Schweizer Bioprodukten?
Die Initiative zielt auf die produzierende Landwirtschaft und auf eine Umerziehung der Konsumenten. Sie löst letztendlich aber keine Probleme.
Stärken wir den Selbstversorgungsgrad, ja, aber nicht mit den Methoden dieser Initiative, die abzulehnen ist.