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Gugger Niklaus-Samuel · Nationalrat · 2025-12-17

Gugger Niklaus-Samuel · Nationalrat · Zürich · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-12-17

Wortprotokoll

Kern dieser Ernährungs-Initiative ist nicht eine Debatte über die richtige Ernährung, wie das von Gegnern behauptet wird. Die Ernährung ist Sache der Konsumentinnen und Konsumenten, und das soll auch so bleiben. Es geht vielmehr um den Erhalt unserer Ökosysteme. Diese befinden sich in einem schlechten Zustand. Das zu korrigieren, ist sehr wohl Aufgabe der Politik.

Was hat das mit Landwirtschaft zu tun? Der Rückgang der Biodiversität im Landwirtschaftsgebiet konnte bisher nicht gestoppt werden. Das zeigt der jüngste Bericht von Agroscope zur Arten- und Lebensraumvielfalt im Schweizer Kulturland. Der Haupttreiber dieser Entwicklung sind die Nährstoffüberschüsse durch die ressourcenintensive landwirtschaftliche Produktion. Wie kommen diese Nährstoffüberschüsse im Grasland Schweiz zustande, wo wir doch ideale[NB]Voraussetzungen[NB]für eine standortgerechte Landwirtschaft haben? Die Antwort findet sich in der Zollstatistik: Die Schweiz importiert pro Jahr - man stelle sich das einmal vor - über 1 Million Tonnen Futtermittel aus dem Ausland. Die Importe machen über 60 Prozent des in der Schweiz verwendeten Kraftfutters aus.

Es liegt auf der Hand, dass mit dieser ressourcenintensiven Landwirtschaft die Tragfähigkeit unserer Ökosysteme überschritten wird. Das hat negative Auswirkungen weit über das Landwirtschaftsgebiet hinaus. Durch die Stickstoffeinträge aus der Luft werden auch unsere Wälder und Gewässer stark beeinträchtigt. Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Es ist eine Tatsache, dass die ressourcenintensive, nicht standortgerechte Landwirtschaft mit ihren Nährstoffüberschüssen zur Beeinträchtigung unserer Ökosysteme führt.

Der Bundesrat hält in seiner Botschaft fest, dass die inhaltliche Stossrichtung der Volksinitiative in grossen Teilen mit den Zielen der zukünftigen Agrarpolitik übereinstimmt. Konkret geht es um die Nutzung der Ackerfläche für die direkte menschliche Ernährung und die Stärkung der Produktion pflanzlicher Proteinquellen wie Hülsenfrüchte in der Schweiz. Das sind wichtige Schritte, die es im Rahmen der AP 2030 plus umzusetzen gilt. Das Problem mit den Nährstoffüberschüssen durch Futtermittelimporte ist damit aber noch nicht gelöst. Deshalb braucht es den Gegenvorschlag, der eine pragmatische Antwort auf ein für die Gesellschaft relevantes Problem liefert.

Wenn ich mir die Voten meiner Kolleginnen und Kollegen hier im Saal so anhöre, kommt mir der Vogel Strauss in den Sinn: Statt den Tatsachen ins Auge zu blicken, steckt er im Märchen den Kopf in den Sand - in der Hoffnung, dass die Gefahr vorbeizieht.

Es gibt gute Argumente, die Ernährungs-Initiative aus formalen oder inhaltlichen Gründen abzulehnen. Damit gleichzeitig aber auch den Gegenvorschlag und die real existierenden Probleme - Biodiversitätsverlust und bedrohte Ökosysteme - vom Tisch zu wischen, ist keine seriöse Politik. Es ist unsere Aufgabe, den Handlungsbedarf, den diese Initiative zu Recht anspricht, anzuerkennen und politisch umsetzbare Lösungen zu finden.

Machen Sie es nicht wie der Vogel Strauss. Fassen Sie sich ein Herz und unterstützen Sie den direkten Gegenvorschlag. Die gefiederten und nicht gefiederten Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes werden es Ihnen danken.

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