Schneider Meret · Nationalrat · 2026-03-02
Schneider Meret · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2026-03-02
Wortprotokoll
Wir halten uns zunehmend im digitalen Raum, also in einer digitalen Öffentlichkeit, auf, was sowohl Chancen als auch Gefahren mit sich bringt. In den letzten Jahren hat die digitale Gewalt zugenommen, insbesondere gegen Jugendliche und junge Erwachsene. Eine Studie aus dem Jahr 2022 zur digitalen Hassrede in der Schweiz zeigt, dass fast jede zehnte Person - um genau zu sein: 9,3 Prozent - der Schweizer Bevölkerung persönlich von Hassrede betroffen war. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen war sogar fast jede zweite Person bereits von digitaler Gewalt betroffen. Eine Studie aus Deutschland von Hate Aid zeigt ein noch drastischeres Bild: 92 Prozent der befragten 18- bis 24-Jährigen erlebten Beleidigungen im Internet, während 83 Prozent mit Hassrede oder hasserfüllten Nachrichten konfrontiert waren. Die Folgen davon sind gravierend: Suizid aufgrund von Cybermobbing und Cyberstalking zählen inzwischen zu den häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen.
Gewalt im digitalen Raum, die sich gegen Kinder und Jugendliche richtet, entzieht sich ausserdem häufig der Wahrnehmung von Erwachsenen. Durch technische Strukturen digitaler Plattformen können entsprechende Inhalte rasch verbreitet und archiviert werden und dauerhaft zugänglich bleiben. Das kann anhaltende Auswirkungen auf die Betroffenen haben. Für betroffene Kinder und Jugendliche ist es schwierig, passende Unterstützung zu finden. Viele wissen nicht, an wen sie sich wenden können, oder zweifeln daran, ernst genommen zu werden.
Eine allseits bekannte und spezialisierte Anlaufstelle kann Orientierung bieten, sachlich kompetent beraten und an bestehende Angebote weiterverweisen. Die sozialen, physischen und psychischen Folgen digitaler und analoger Gewalt ähneln sich ausserdem stark. Daher kann man sich[NB]bei[NB]der[NB]Planung von Interventionen an der langjährigen Expertise von entsprechenden Opferberatungsstellen orientieren.
Es wäre jedoch zu kurz gedacht, dieses neue Themenfeld zusätzlich den bereits bestehenden Beratungsstellen aufzubürden. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass spezialisierte Meldestellen und Beratungsangebote im Bereich digitaler Gewalt wirksam sind. So bestehen in Deutschland mit Jugendschutz.net oder auch in Grossbritannien mit dem UK Safer Internet Centre institutionell verankerte Strukturen, die Meldung, Beratung und Prävention miteinander verbinden.
Solche Modelle verdeutlichen, dass eine nationale Anlaufstelle einen wichtigen Beitrag leisten kann. Sie stellen damit einen wichtigen Schritt dar, um Kinderrechte in der Schweiz im digitalen Raum wirksam zu schützen.
Ich bitte Sie daher insbesondere auch im Sinne des Kinder- und Jugendschutzes, mein Postulat zu unterstützen, wie es bereits der Bundesrat getan hat.