Wyss Sarah · Nationalrat · 2026-03-04
Wyss Sarah · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-03-04
Wortprotokoll
Bei der Bildung zu sparen, ist wie der Vorschlag, die Swisscom-Aktien zu verkaufen: Am Anfang gewinnt man vielleicht ein bisschen, danach verliert man. Bei der Swisscom-Aktie würde man jährlich auf 250 Millionen Franken Dividenden verzichten, und bei der Bildung verzichtet man auf künftige Steuereinnahmen. Denn die Bildung ist unser Rohstoff, sie ist unser Gold, und das verscherbelt man nicht einfach so.
Ich habe auf dem Parlnet nachgeschaut: Derzeit sind Dutzende Vorstösse zur Stärkung der Berufsbildung pendent, von Frau Durrer-Knobel, Herrn Rüegsegger und Monsieur Nicolet über Frau Brenzikofer bis hin zu Frau Brizzi. All diese Vorstösse möchten die Berufsbildung stärken. Aber es reicht nicht, wenn Sie nur schöne Motionen und Postulate einreichen. Sie müssen im entscheidenden Moment auch darauf verzichten, zu kürzen, und das Geld tatsächlich auch sprechen, damit das, was Sie hier fordern, umgesetzt werden kann. Sonst könnten Sie sich diese Postulate und Motionen auch sparen. Das wäre auch für die Verwaltung einfacher, denn dort[NB]haben[NB]Sie[NB]ja ebenfalls Personal gekürzt. In diesem Sinne bitte ich Sie, der Minderheit Wyss bei Massnahme 30 zu folgen.
Dann möchte ich noch auf eine andere Minderheit zu sprechen kommen bzw. auf meinen Einzelantrag. Dabei geht es um die projektgebundenen Beiträge an die Hochschulen. Ich möchte Ihnen von Herzen beliebt machen, dass Sie wenigstens die Medizinstudienplätze ab 2028 herausnehmen, so wie ich das fordere. Denn auch hier haben Sie mit zahlreichen Motionen quer durch alle Parteien gefordert, dass endlich mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. Ich weiss, die Politik lebt von Widersprüchen, und wir - auch ich persönlich - sind nicht davor gefeit. Trotzdem bitte ich Sie nicht nur wegen der Konkurrenz darum, sondern auch, weil es inhaltlich Sinn macht.
Weshalb macht es Sinn? Erstens besteht in der Schweiz derzeit ein Engpass in der Grundversorgung. Dieser Engpass entsteht, weil die Schweiz insgesamt zu wenig Ärztinnen und Ärzte ausbildet, auch wenn Zürich erfreulicherweise gerade angekündigt hat, zusätzliche Studienplätze zu schaffen. Entsprechend müssen wir mehr Ärztinnen und Ärzte ausbilden, und das beginnt mit der Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze. Es werden Tausende Ärztinnen und Ärzte fehlen. Das stellt eine Gefahr für unsere Gesundheitsversorgung dar. Zweitens gäbe es in der Schweiz genügend Personen, die gerne Ärztinnen oder Ärzte wären, wenn sie denn dürften. Der Fachkräftemangel ist hausgemacht, und hier könnten wir etwas dagegen tun.
Dann komme ich noch zur Auslandabhängigkeit. Wir importieren Ärztinnen und Ärzte, und das ist nicht solidarisch. Es schadet. Hinzu kommt, dass die Schweiz, gemessen an den Ausbildungsplätzen, Spitzenreiterin darin ist, Ausbildungskosten zu vermeiden. Wir sind eines der reichsten Länder und stibitzen trotzdem anderen Ländern ihre Ärztinnen und Ärzte, weil wir nicht bereit sind, hier zu investieren.
Ich bitte Sie deshalb wirklich, meinem Einzelantrag zu folgen oder, wenn Sie diese Massnahme dennoch wollen, zumindest die Medizinstudienplätze ab 2028 herauszunehmen, damit wir schaffen können, was wir hier immer gefordert haben.