Gredig Corina · Nationalrat · 2026-03-04
Gredig Corina · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2026-03-04
Wortprotokoll
Unsere wichtigste Ressource sitzt jeden Morgen in unseren Schulzimmern oder heute auf der Tribüne des Parlamentes. Andere Länder haben Bodenschätze, wir haben Bildungsschätze. Kein Öl, kein Gas: Die Schweiz hat keine Rohstoffvorkommen, aber wir haben die Bildung, wir haben unsere Köpfe. Wenn wir bei der Bildung sparen, ist das ungefähr so, wie wenn ein Bauer beschliesst, Geld zu sparen, indem er weniger sät. Ja, so spart er kurzfristig schon Saatgut, aber langfristig wird die Ernte zumindest dürftig ausfallen.
Bildung ist nicht irgendein schlimmer Ausgabenposten, sie ist die Grundlage unseres Wohlstandes, unserer Innovationskraft, unserer Wirtschaft, unserer hohen Beschäftigung. All das beginnt nicht nur in einer Statistik und im Budget, es beginnt im Klassenzimmer und an unseren Universitäten und Fachhochschulen.
Gerade aus liberaler Sicht ist Bildung zentral. Denn Bildung bedeutet Chancen, Bildung bedeutet Aufstiegsmöglichkeiten, und Bildung bedeutet Eigenverantwortung. Eine liberale Gesellschaft lebt davon, dass Menschen ihr Leben selbst gestalten können. Dafür braucht es aber Werkzeuge. Eines der wichtigsten, zentralsten Werkzeuge ist die Bildung. Die Schweiz ist gerade international so erfolgreich, weil wir das verstanden haben.
Unsere Berufsbildung ist weltweit ein Vorbild, wir sind immer stolz darauf. Unsere Hochschulen gehören zu den besten, und unser Bildungssystem ist durchlässig. Man kann in diesem Land sehr weit kommen. Es ist auch egal, ob man ein Studium oder eine Lehre macht. Das System ist sozialpolitisch klug ausgestaltet. Wir haben es sehr gut gemacht, indem wir so viel in die Bildung investiert haben.
Wenn wir in der Bildung kürzen, werden wir das heute nicht spüren - aber morgen eben schon. Im ersten Jahr sieht das vielleicht noch gut aus, aber im fünften Jahr fragen wir uns dann alle: Wieso sind alle anderen innovativer als wir? Kluges Sparen bedeutet, zwischen Konsum und Investition zu unterscheiden. Bildung ist ganz klar eine Investition, eine Investition in Produktivität, in Innovation, in den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Oder ganz einfach gesagt: Wenn wir die Bildung wegsparen, sparen wir nicht beim Staat, sondern schlussendlich bei der Zukunft unseres Landes. Die Schweiz ist nicht gross geworden, weil sie immer den billigsten und günstigsten Weg gewählt hat. Im Gegenteil, wir haben immer in Qualität investiert.
Genau deshalb bitte ich Sie, die Streichungsanträge nicht zu unterstützen, sondern mindestens der Version des Ständerates zu folgen, die genau darauf achtet, dass wir nicht das wegsparen, was uns morgen am meisten nützen wird.