Würth Benedikt · Ständerat · 2026-03-10
Würth Benedikt · Ständerat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-03-10
Wortprotokoll
Was die Formel 1 für die Automobilindustrie ist, ist die militärische Technologieentwicklung für viele zivile Innovationen und Technologiesprünge. In der Formel 1 entstehen unter extremen Bedingungen neue Materialien, neue Sicherheitssysteme, neue Antriebstechnologien. Vieles davon findet dann später den Weg in die Serienproduktion. Ganz ähnlich funktioniert Innovation im Bereich Sicherheit und Verteidigung weltweit. Viele Technologien, die wir heute selbstverständlich nutzen, sind ursprünglich aus militärischer Forschung und Innovation hervorgegangen. Das Internet ist wohl das bekannteste Beispiel dafür, aber auch GPS, moderne Sensorik oder Fortschritte in der Materialtechnologie haben dort ihren Ursprung.
Viele Staaten haben daraus Konsequenzen gezogen. Sie fördern gezielt disruptive Innovationen im Sicherheits- und Verteidigungsbereich. Programme wie die amerikanische Darpa arbeiten bewusst mit einem "High risk, high reward"-Ansatz. Man geht Risiken ein, um technologische Durchbrüche zu ermöglichen. Die Schweiz, obwohl sie weltweit als Innovationsweltmeisterin gilt, nutzt dieses Potenzial bisher nur begrenzt.
Genau hier setzt die Motion an. Sie verlangt keine neuen Behörden und auch keine neuen Strukturen. Wir verfügen bereits über geeignete Institutionen, insbesondere im Armeebereich, im Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie der Armasuisse. Im Rahmen der Prüfungstätigkeit in der Finanzkommission, insbesondere in der Subkommission 4, die für das VBS zuständig ist, sind wir immer wieder beeindruckt von der Performance in diesem Bereich. Dort besteht also bereits ein funktionierendes Forschungs- und Innovationsökosystem. Darauf können wir aufbauen. Ziel ist ein Programm, das Forschung, Wirtschaft und Verwaltung enger zusammenführt und gezielt technologische Durchbrüche im Bereich Sicherheit und Verteidigung ermöglicht.
Wir profitieren dabei auf zwei Ebenen: einerseits auf der Ebene der technologischen Souveränität, die in geopolitisch unsicheren Zeiten wichtig ist, und andererseits auf der Ebene der wirtschaftlichen Innovationskraft. Dass dieses Potenzial real ist, illustriere ich an einem Beispiel, das ich vom Textilverband Schweiz bekommen habe. Zusammen mit dem Innovationspark Ost, der Empa, der Armasuisse und der Fachhochschule Ost wird derzeit ein textiler Defence Cluster aufgebaut. Das Ziel besteht darin, die innovativen Kräfte im Textil- sowie im Sicherheits- und Verteidigungsbereich zu bündeln und vor allem sicherzustellen, dass aus vielversprechender Forschung auch marktreife Produkte entstehen. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig die Beteiligung der öffentlichen Hand ist. Die Armasuisse bringt nicht nur technisches Know-how ein, sondern kennt auch die Bedürfnisse der Armee und kann geopolitische Entwicklungen in diese Innovationsprozesse einbringen. Genau dieses Zusammenspiel von Forschung, Industrie und staatlichen Institutionen macht erfolgreiche Innovationsökosysteme aus.
Ein Blick nach Europa zeigt zudem, wie relevant das Thema geworden ist. Der Direktor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) - die Schweiz ist dort auch beteiligt - sagte kürzlich in der "NZZ am Sonntag", Europa stehe im Weltraum nicht ganz nackt da, aber fast. Während die USA und China massiv investieren, beginnt Europa erst jetzt Sicherheit und Verteidigung im Weltraum systematisch mitzudenken. Das zeigt, dass Technologie, Sicherheit und wirtschaftliche Stärke heute eng miteinander verbunden sind.
Auch für die Schweiz ergeben sich daraus klare Prioritäten. Neben dem strategisch wichtigen Feld Space müssen wir insbesondere die Entwicklung von autonomen Systemen und künstlicher Intelligenz im Blick behalten. Drohnen sind nur ein sichtbares Produkt dieser Entwicklung. Darauf hat mich auch Kollege Salzmann richtigerweise hingewiesen. Er hat die Motion ebenfalls unterschrieben und mich gebeten, dies auch hier im Rat nochmals zu unterstreichen. Die zugrunde liegenden Technologien wie Robotik, Sensorik und Datenanalyse werden künftig auch zivil von enormer Bedeutung sein.
Ich komme zum Schluss. Die Schweiz verfügt über hervorragende Voraussetzungen: über erstklassige Hochschulen und Universitäten, über eine starke industrielle Basis und über innovative Unternehmen. Ich erwähne hier auch Beyond Gravity, das für praktisch jeden Satelliten der ESA seine Technologie beisteuert. Wenn wir dieses Potenzial mit einem gezielten Programm verbinden, stärken wir gleichzeitig Sicherheit, technologische Souveränität und unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.
Ich danke dem Bundesrat für die Unterstützung der Motion. Ich bitte Sie ebenfalls, die Motion anzunehmen.