Lexipedia

Schneider Meret · Nationalrat · 2026-03-11

Schneider Meret · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2026-03-11

Wortprotokoll

Im Jahr 2009 entschied das Parlament, die Schweizerinnen und Schweizer, die auf republikanischer Seite im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatten, zu rehabilitieren. Die entsprechende parlamentarische Initiative, die zu diesem Entscheid geführt hatte, sah auch die Rehabilitierung von Schweizerinnen und Schweizern vor, die in der französischen Résistance gekämpft hatten. Zum damaligen Zeitpunkt war aber noch wenig über die Gruppe der Menschen bekannt, die der französischen Résistance, also dem Widerstand, zu Hilfe geeilt waren. Und die Begründung, deren Motivation sei weitgehend ungeklärt, war durchaus stichhaltig. Dies führte zum Entschluss, mit einer Rehabilitierung zu warten, bis die Wissenslücken geschlossen seien. Die Geschichtswissenschaft hat das inzwischen nachgeholt und die Résistance-Freiwilligen umfassend analysiert, insbesondere dank der Arbeit des Historikers Peter Huber, der seine Erkenntnisse auch Ihrer Kommission für Rechtsfragen präsentiert hat.

Anfänglich bestand eine sehr enge Definition von Résistance. Als deren Mitglieder wurden nur jene angesehen, die mit der Waffe in der Hand gekämpft hatten. Im Laufe der Recherchen stiess man jedoch auf mannigfaltige Formen des Widerstands, die ebenfalls integriert wurden. So gab es beispielsweise die sogenannten "gens du lac", bei welchen es sich um Fischer auf dem Lac Léman handelte, die der Résistance vor allem Medikamente zur Verfügung stellten, aber auch Waffen transportierten. Im Jura gab es zwei Schweizerinnen, die auf der anderen Seite der Grenze lebten und erlaubten, dass die Résistance bei ihnen Waffen oder Container deponierte, die von der englischen Armee abgeworfen wurden. In der Jurakette gab es ausserdem mehrere Jurassier, die auf beiden Seiten der Grenze lebten. Ein gewisser Philippe Allemann arbeitete offiziell für den Schweizer Nachrichtendienst [PAGE 328] und stellte gleichzeitig der Résistance seine Informationen zur Verfügung.

Sie sehen, man könnte sich weiter in den historischen Dokumenten verlieren und bewegende Schicksale zutage fördern, die den Rahmen meines Votums hier sprengen würden. All diese Leute, die nicht nur oder gar nicht mit der Waffe in der Hand kämpften, sondern der Résistance Hilfe leisteten, sollen in der vorgeschlagenen Rehabilitierung der Schweizer in der Résistance auch integriert werden.

Doch was bedeutet die Rehabilitierung überhaupt? Sie bezweckt, denjenigen Personen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die wegen ihres Einsatzes für Freiheit und Demokratie in der französischen Résistance während des Zweiten Weltkriegs rechtlich zur Verantwortung gezogen wurden. Gerechtigkeit zugunsten dieser Personen bedeutet in erster Linie die Anerkennung der Eidgenossenschaft, dass die Kriminalisierung ethisch motivierter Aktivitäten - es ging damals um den Kampf für Freiheit und Demokratie - unser heutiges Gerechtigkeitsempfinden verletzt. Die Eidgenossenschaft trägt auf diese Weise den heutigen, gegenüber der Periode der Verhängung der Sanktionen veränderten Umständen und Auffassungen Rechnung. Das Bemühen um Gerechtigkeit für diese Personen bedeutet auch, ihnen Ehre zu erweisen. Klar, die meisten dieser Personen leben nicht mehr, doch bedeutet diese Anerkennung für Angehörige und Nachfahrinnen und Nachfahren viel und hat einen grossen symbolischen Wert.

Ich bitte Sie daher, der parlamentarischen Initiative zuzustimmen und den betreffenden Personen, die mit ihrem mutigen Einsatz für unsere Werte gekämpft haben, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.