Z'graggen Heidi · Ständerat · 2026-03-11
Z'graggen Heidi · Ständerat · Uri · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-03-11
Wortprotokoll
Die Kante eines Steins entscheidet, ob ein Quell in das ewig blaue Tyrrhenische Meer oder mitternachtwärts in die Nordsee hinabfliesst. Ein Geissbub, der seinen Durst am Gletscherbach kühlt, fängt vielleicht in seinem Hut, vergleichbar mit einem Riesenkind der Vorzeit, die ganze junge Rhone ein und bringt, wenn er den Rest des Wassers verschüttet, den jungen Rhein zum Überfluten. Unachtsamkeit im Umgang mit Wasser, wenn also der Geissbub Wasser aus seinem Hütchen verschüttet, kann katastrophale Folgen haben. Das wussten unsere Vorfahren.
Überschwemmungen, Steinschlag, Bergstürze oder Lawinen verwandeln die schönsten Alpweiden in Steinwüsten. Viele Urner Sagen warnen: Ein Frevel kann blühende Wiesen in Gletscher wandeln oder Gletscher zum Schwinden bringen. Eduard Renner hat im "Goldenen Ring über Uri" mit dieser Geschichte über den Geissbub am Wasserschloss Europas, am Gotthard, das alte Wissen unserer Vorfahren zusammengefasst und eindrücklich zum Ausdruck gebracht, dass jeder Eingriff in die Natur Folgen hat und selbst kleinste Unachtsamkeiten Landschaften, Ökosysteme und Lebensgrundlagen verändern können. Ich glaube, nicht zuletzt auf der Grundlage dieses alten Wissens haben wir, insbesondere unsere Vorfahren, die grossen Landbesitzer der Genossenschaften und Korporationen, über Jahre die strengen Regelungen im Gewässerschutz weiterentwickelt und umgesetzt. Darauf dürfen wir stolz sein.
Die Motion in der Version der Kommission fügt sich in eine Reihe von Schwächungen des Gewässerschutzes ein, auch in dieser Session, was ich sehr bedauere. Es ist kein Detail, es ist ein Rückschritt. Einzelne Überschreitungen, punktuelle Belastungen, akute Schadstoffspitzen könnten künftig fast vollständig ignoriert werden. Wer zahlt den Preis? Fische sterben, Kleintiere verschwinden, Wasserpflanzen schwinden. Wasser darf nicht zum Spielball von kurzfristigen Interessen werden.
Verschiedene Quellen und Monitoringberichte zeigen alarmierende Belastungen unserer Gewässer, die wir nicht ausblenden dürfen; Frau Ständerätin Graf hat darauf hingewiesen. Man mag sagen, die Anpassung schütze die Landwirtschaft. Ich sage, es ist ein falsches Dilemma, zu glauben, wir könnten nur entweder die Landwirtschaft sichern oder unsere Gewässer schützen. Beides ist möglich durch Forschung, Innovation und gezielte Notfallzulassungen. Wir brauchen keine Verwässerung der Schutzbestimmungen.
Ich teile die Sorgen der Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz, der Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft sowie des Schweizerischen Fischereiverbandes. Die vorliegende Schwächung des Gewässerschutzes gefährdet das Trinkwasser, die Biodiversität und die [PAGE 193] Lebensgrundlagen unserer Gewässer. Wasser ist unsere Lebensgrundlage. Erinnern wir uns an den Geissbub am Gotthard. Er weiss genau, wie behutsam er sein muss, um das Wasser nicht zu verschütten und eine Katastrophe auszulösen.[NB]Dieses[NB]Bild[NB]zeigt[NB]uns[NB]eindrücklich, dass selbst kleinste Unachtsamkeiten weitreichende Folgen haben können. Genauso sorgsam müssen wir heute mit unseren Gewässern umgehen.
Ich bitte Sie daher, die Minderheit der Kommission zu unterstützen.