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Glarner Andreas · Nationalrat · 2026-03-17

Glarner Andreas · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-03-17

Wortprotokoll

Was auf den ersten Blick wie eine wohlmeinende Massnahme zum Schutz der Gesundheit erscheint, ist bei genauerem Hinsehen ein problematischer Schritt hin zu mehr staatlicher Bevormundung mit fragwürdiger Wirkung und natürlich erheblichen Nebenwirkungen. Niemand bestreitet, dass nichtübertragbare Krankheiten eine enorme Herausforderung darstellen, und auch niemand bestreitet, dass Ernährung dabei eine Rolle spielt. Doch die vorgeschlagene Anpassung der Verordnung des EDI greift zu kurz, setzt am falschen Hebel an und droht Verantwortung einseitig auf ein einzelnes Produktsegment abzuwälzen, statt die komplexen Ursachen unseres Gesundheitsverhaltens ernsthaft anzugehen. Ein pauschaler Höchstwert von 5 Gramm zugesetztem Zucker pro 100 Milliliter klingt einfach, viel zu einfach. Denn er suggeriert, dass sich ein gesellschaftliches Problem durch administrative Grenzwerte lösen liesse. Die Realität ist hingegen viel komplexer. Ernährung ist ein Zusammenspiel aus Lebensstil, Bildung, Bewegung, sozialem Umfeld und individueller Verantwortung. Wer glaubt, dass ein regulatorischer Eingriff in Rezepturen langfristiges Verhalten ändert, unterschätzt die Dynamik von Konsumgewohnheiten.

Hinzu kommt, dass die Branche bereits gehandelt hat. Mit der Erklärung von Mailand haben sich zahlreiche Schweizer Hersteller freiwillig verpflichtet, den Zuckergehalt zu reduzieren. Dass nicht alle Ziele vollständig erreicht wurden, ist kein Argument für staatliche Zwangsmassnahmen, sondern ein Anlass, den Dialog fortzuführen und marktwirtschaftliche Ansätze zu stärken.

Wir müssen uns auch fragen, welche Signalwirkung eine solche Regulierung hätte. Denn heute sind es aromatisierte und koffeinhaltige Getränke, morgen vielleicht andere Lebensmittelgruppen. Wo endet diese Logik, die Bevormundung des Konsumenten? Wollen wir wirklich einen Staat, der immer detaillierter vorgibt, wie Produkte zusammengesetzt sein müssen? Gesundheitspolitik darf doch nicht in Mikromanagement ausarten.

Zudem birgt die Vorlage wirtschaftliche Risiken. Die Schweizer Getränkeindustrie ist innovativ, vielfältig und international vernetzt. Eine starre Obergrenze könnte gerade kleinere Hersteller überproportional treffen, die Rezepturentwicklung verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen. Während grosse Konzerne solche Reformen leichter stemmen könnten, geraten lokale Produzenten unter Druck; Folgen für Arbeitsplätze und Wertschöpfung sind möglich.

Auch der internationale Vergleich wird hier nur selektiv verwendet. Ja, einige Länder kennen andere Grenzwerte. Gott sei Dank haben wir den Wettbewerb unter den Ländern. Aber das wollt ihr natürlich nie. Ihr wollt ja immer nur alles europäisieren. Die Schweiz fährt gut, einen eigenen Weg zu gehen. Denn die Konsumenten weichen einfach aus, das ist bekannt, etwa auf andere zuckerhaltige Produkte oder grössere Portionen. Der gewünschte gesundheitliche Nutzen bleibt dann begrenzt, während die regulatorische Last stetig ansteigt.

Vor allem sollten wir aber den Menschen mehr zutrauen. Nachhaltige Gesundheitsförderung entsteht doch durch Aufklärung, Transparenz und Wahlfreiheit und nicht durch [PAGE 480] Verbote durch die Hintertüre. Klare Kennzeichnungssysteme, Ernährungsbildung in den Schulen, Förderung von Bewegung und ein breites Angebot an zuckerreduzierten Alternativen sind doch die wirksamen Instrumente anstelle von starren Grenzwerten.

Die zentrale Frage lautet also nicht: Können wir den Zuckergehalt regulieren? Sie lautet vielmehr: Wollen wir eine Politik, die auf Vertrauen und Eigenverantwortung setzt, oder wollen wir alles von oben vorgeben? Diese Vorlage verlagert die Verantwortung vom Individuum und von der Gesellschaft auf eine einzelne Branche. Sie schafft zusätzliche Bürokratie, ohne die strukturellen Ursachen von Gesundheitsproblemen zu lösen. Und sie riskiert, dass gut gemeinte Regulierung zur Symbolpolitik wird. Lassen Sie uns doch stattdessen eine differenzierte, partnerschaftliche Strategie verfolgen mit der Wirtschaft, mit den Konsumentinnen und Konsumenten und mit einem klaren Fokus auf Bildung und Prävention. Gesundheit lässt sich nicht verordnen, sie muss nämlich gemeinsam gestaltet werden. [GZ]

Ich bitte Sie, dieses Postulat abzulehnen.