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Stämpfli Fabienne · Nationalrat · 2026-03-18

Stämpfli Fabienne · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2026-03-18

Wortprotokoll

Die Stopfleber-Initiative bringt ein Thema auf den Tisch, das viele Menschen bewegt, und das zu Recht. Die Stopfmast von Gänsen und Enten zur Gewinnung von Stopfleber ist eine klar tierquälerische Produktionsform. Während der Stopfmastphase von zehn bis zwanzig Tagen, während der die allermeisten Enten und Gänse in Batteriekäfigen gehalten werden, wird zwei- bis dreimal täglich ein Metallrohr oder Schlauch in die Speiseröhre der Tiere eingeführt und bis zu ein Kilogramm Futter in die Tiere hineingepumpt. Das verursacht schmerzhafte Verletzungen. Die erzwungene schnelle Zunahme der Leber bis zur zehnfachen Grösse führt zu schweren Atem-, Nieren- und Kreislaufproblemen und ist irreversibel und tödlich.

Die Zwangsernährung gilt in der Schweiz als grausame Praxis gegenüber Tieren und erfüllt den Tatbestand der schweren Tierquälerei. Die Stopfmast verursacht erhebliches Leid und widerspricht unserem Verständnis von Tierwohl fundamental. Nicht umsonst ist diese Praxis in der Schweiz seit mehr als vierzig Jahren verboten. Auch in vielen anderen europäischen bzw. westlichen Ländern ist die Zwangsfütterung nicht erlaubt. Mit jährlich 200 Tonnen importierter Stopfleber ist die Schweiz eines der wichtigsten Importländer. Jedes Jahr werden allein für den Schweizer Markt 400[NB]000 Enten und 12[NB]000 Gänse gemästet.

Die GLP-Fraktion hat entsprechend grosse Sympathien für die Initiative, die den Import dieser tierquälerisch und unethisch hergestellten Produkte verbieten will. Gleichzeitig[NB]müssen[NB]wir die Realität berücksichtigen. Ein Importverbot wirft einige Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf unsere [PAGE 527] internationalen Handelsbeziehungen, namentlich mit der Europäischen Union. Diese Herausforderungen verdienen eine sorgfältige Abwägung. Genau hier setzt der indirekte Gegenentwurf der WBK-N an.

Die Grünliberale Fraktion unterstützt den indirekten Gegenentwurf einstimmig. Statt eines sofortigen Verbots setzt er auf Transparenz, Aufklärung und mildere Massnahmen. Konkret fordert er eine konsequente Deklarationspflicht für alle Produkte, die Stopfleber, Magret oder Confit enthalten. Konsumentinnen und Konsumenten sollen klar erkennen können, unter welchen tierquälerischen Bedingungen diese Produkte hergestellt werden. Zudem wird der Bundesrat beauftragt, die gewerbliche Importmenge zu beobachten und Massnahmen zu ergreifen, damit diese weiter zurückgeht.

Für uns ist aber auch klar, dass der indirekte Gegenentwurf in der Mehrheitsversion relativ schwach ist. Deshalb unterstützt die Grünliberale Fraktion ausdrücklich die Minderheit Baumann. Diese verlangt, dass der Bundesrat zusätzliche Massnahmen ergreifen muss, wenn die Importmenge nach fünf Jahren nicht merklich, d.[NB]h. um rund 25 Prozent, zurückgegangen ist. Damit stellen wir sicher, dass es nicht bei symbolischen Fortschritten bleibt, sondern dass tatsächlich eine substanzielle Reduktion erreicht wird.

Der indirekte Gegenentwurf setzt auf Aufklärung und Eigenverantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten sowie auf schrittweise mildere Massnahmen im Einklang mit unseren internationalen Verpflichtungen. Die Grünliberale Fraktion bittet Sie deshalb, den indirekten Gegenentwurf inklusive der Minderheit Baumann zu unterstützen. Die Initiative selbst geniesst innerhalb der Grünliberalen Fraktion grosse Sympathie. Für einen Teil unserer Fraktion wiegt das klare Signal gegen Tierquälerei schwerer als mögliche handelspolitische Spannungen. Wir sind überzeugt, dass sich auch im Falle eines Importverbots Lösungen mit der Europäischen Union verhandeln lassen.

Entsprechend wird ein Teil der Grünliberalen Fraktion die Initiative zur Annahme empfehlen, als klares Zeichen gegen Tierquälerei. Der andere Teil der Fraktion wird sich bei der Abstimmung über die Initiative enthalten, weil er den milderen Massnahmen des Gegenentwurfes den Vorzug gibt. Diese differenzierte Haltung zeigt, dass wir sowohl das Tierwohl als auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ernst nehmen. Ich danke Ihnen, wenn Sie es uns gleichtun.