Hässig Patrick · Nationalrat · 2026-03-18
Hässig Patrick · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2026-03-18
Wortprotokoll
Jetzt kommt vielleicht so ein Moralist, ich weiss es nicht.
Seit über vierzig Jahren ist die Produktion von Stopfleber in der Schweiz verboten, und das aus gutem Grund. Für Foie gras werden Enten und Gänse systematisch gequält. Ihnen wird mehrmals täglich ein Metallrohr in den Hals geschoben, um sie zwangszumästen. Ihre Leber schwillt dabei auf ein Vielfaches ihrer natürlichen Grösse an, ein krankhafter Zustand, der mit Schmerzen, Atemnot und Verletzungen einhergeht. Ich kann mir nicht vorstellen, Herr Stettler, dass man einem Thunfisch ein Metallrohr in den Rachen steckt, nur so wegen des Vergleichs mit den Thonbrötchen.
Es ist keine Delikatesse, es ist eine Tristesse, es ist Tierquälerei. Wir haben als Land entschieden, dass wir so etwas bei uns in der Schweiz nicht wollen, und doch akzeptieren wir genau dieses Leid, solange es im Ausland passiert. Der Import von Stopfleber ist weiterhin legal, das bedeutet, wir verbieten die Grausamkeit zwar im Inland, aber finanzieren sie im Ausland. Wir waschen unsere Hände in Unschuld, während andere die schmutzige Arbeit für uns erledigen. Das ist kein konsequenter Tierschutz, das ist ein moralischer Widerspruch. Denn Tierleid kennt keine Landesgrenzen; es macht keinen Unterschied, ob eine Gans in Frankreich oder[NB]in[NB]Ungarn[NB]leidet. Entscheidend ist, dass sie leidet und dass wir als Konsumentinnen und Konsumenten dieses Leid mit unserer Nachfrage mitverursachen. Genau deshalb ist die heutige Regelung nicht nur inkonsequent, sondern scheinheilig.
Ich unterstütze die Initiative aus Überzeugung, weil sie diesen Widerspruch beendet. Ja, die Kommission hat einen indirekten Gegenvorschlag ausgearbeitet, und ja, dieser ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Mehr Transparenz durch eine Deklarationspflicht und die Möglichkeit weiterer Massnahmen sind sinnvoll. Aber seien wir ehrlich, es bleibt ein halber Schritt. Eine Deklaration ändert nichts am Leid der Tiere, sie verlagert die Verantwortung einfach auf die Konsumentinnen und Konsumenten, und man hofft, dass sich das Problem dann irgendwie von selbst löst. Doch wir wissen, dass dies nicht geschehen wird. Nur die Initiative zieht hier klare Konsequenzen aus unserer eigenen Haltung. Nur sie sorgt dafür, dass wir nicht länger von einem System profitieren, das wir im eigenen Land zu Recht verboten haben. Wenn wir es ernst meinen mit dem Tierschutz, dann dürfen wir nicht an der Grenze haltmachen.
Setzen wir gemeinsam ein klares Zeichen gegen Tierquälerei, unabhängig davon, wo sie stattfindet.