Lexipedia

Schnyder Markus · Nationalrat · 2026-03-18

Schnyder Markus · Nationalrat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-03-18

Wortprotokoll

Bevor ich meine Empfehlung abgebe, möchte ich zwei Vorbemerkungen machen. Erstens habe ich den Hinweis bekommen, man solle nicht gegen die Initiative sprechen, da könne man nur verlieren. Ich finde es aber trotzdem wichtig, hier eine Stellungnahme abzugeben, weil es meiner Meinung nach um mehr als nur die Frage eines Importverbots geht. Es ist eigentlich eine staatspolitische Frage, die wir hier diskutieren. Zweitens geben wir meistens unsere Interessenbindungen bekannt. Ich habe zwar keine Interessenbindung, aber ich möchte doch bekannt geben, dass ich noch nie Stopfleber gekauft habe und das auch ganz sicher nie tun werde. Trotzdem empfehle ich Ihnen, die [PAGE 533] Initiative und den Gegenvorschlag abzulehnen, und ich möchte das wie folgt begründen:

Erstens handelt es sich um eine Systemfrage. Wenn wir hier aufgrund eines im Vergleich zur Schweiz unterschiedlichen Produktionsstandards ein Importverbot verhängen, dann ist das ein Systemwechsel. In der Schweiz ist die Produktion von Stopfleber bereits verboten. Indem wir aber auch den Import verbieten, wollen wir Schweizer Standards auch auf ausländische Produzenten anwenden. Wenn wir das hier machen würden, müssten wir das konsequenterweise auch bei anderen Produkten tun. Das hätte dann sehr starke Auswirkungen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten Schweizer Arbeitsrecht auf die Produktion von Kleidern anwenden, wenn Sie Kleider importieren wollen. Dann hätten wahrscheinlich nicht alle auf der Tribüne Freude, und wir würden alle mehr oder weniger nackt hier im Saal sitzen.

Zweitens - das halte ich für das Hauptargument - ist es eine Frage der Moral, die wir hier diskutieren: Wir ziehen mit diesem Importverbot eine moralische Linie und möchten diese im Gesetz verankern. Ich habe dazu eine klare persönliche Haltung, ich habe das bereits am Anfang angetönt: Als Jäger und Göttibub eines Biobauern ist mir die artgerechte Haltung und die waidgerechte Behandlung von Tieren sehr wichtig. Wie bereits erwähnt, finde ich persönlich es moralisch verwerflich, Stopfleber zu produzieren, und ich treffe deshalb meinen persönlichen Entscheid, dass ich Stopfleber weder kaufe noch konsumieren will.

Nun wollen wir aber diese moralische Grenze in der Verfassung verankern und vergessen dabei, dass Moral individuell unterschiedlich sein kann. Sie können das Beispiel des Fleischkonsums nehmen. Ich finde es völlig legitim, dass man Tiere hält, um sie zu essen. Das ist ein Grundprinzip unserer Landwirtschaft. Das sehen aber viele Tierschützer, Vegetarier und Veganer völlig anders, und sie würden deshalb ihre moralische Grenze woanders ziehen, als ich persönlich das tue. Deshalb muss man feststellen: Es gibt kein Richtig oder Falsch beim Ziehen der moralischen Grenze. Diese Grenze soll jeder Konsument und jede Konsumentin selbst ziehen können. Deshalb kann man auch festhalten, dass es, wenn es keine Nachfrage mehr gibt, wohl auch keinen Import mehr gibt.

Das Letzte - das haben wir auch schon gehört - ist die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Zumindest in der Westschweiz scheint Foie gras, das hört man sogar hinter vorgehaltener Hand von Bundesrätinnen und Bundesräten, ein sehr wichtiges Gut, fast schon ein Kulturgut zu sein. Wir haben diesbezüglich schon einen Röstigraben. Wenn jetzt die Mehrheit der Deutschschweizer den Westschweizern vorschreiben würde, dass sie keine Foie gras mehr essen dürfen, dann hätten wir wahrscheinlich auch noch einen "Foie-Graben", wenn man das so nennen kann. Das wäre sicher[NB]nicht[NB]im Interesse des inneren Zusammenhalts der Schweiz.

Ich komme schon zum Schluss. Ich empfehle Ihnen ehrlicherweise uneuphorisch, aber bestimmt, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und den indirekten Gegenvorschlag abzulehnen.

Schnyder Markus · Nationalrat · 2026-03-18 | Lexipedia | Lexipedia