Brizzi Simona · Nationalrat · 2026-03-18
Brizzi Simona · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-03-18
Wortprotokoll
Wenn wir heute über Foie gras sprechen, sprechen wir nicht nur über ein Lebensmittel. Für viele Menschen, besonders in der Westschweiz, gehört Foie gras zur Kultur, zu Festen, zu Traditionen. Traditionen sind Teil unserer Identität, sie prägen unser Zusammenleben. Gerade deshalb ist die Diskussion wichtig, denn niemand verbietet gerne etwas, das für andere Menschen kulturell wichtig ist. Dies habe ich auch sehr stark im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus der Westschweiz gespürt.
Es geht in der Initiative auch nicht um ein Urteil über Menschen oder Regionen, sondern um die Frage, wie wir Tiere behandeln wollen. Deshalb ist es wichtig, den Tierschutz und Alternativen ohne Tierleid ins Zentrum zu stellen. Foie gras entsteht durch die sogenannte Stopfmast. Dabei werden Enten und Gänse über mehrere Wochen hinweg mehrmals täglich zwangsgefüttert, damit sich ihre Leber möglichst schnell und stark vergrössert. Viele Tiere leiden dann schlussendlich unter Atemproblemen, Verletzungen oder schweren gesundheitlichen Folgen. Eine Delikatesse für den Gaumen, die auf tierquälerische Art und Weise hergestellt wird und zu schwer kranken Tieren führt, ist ethisch nicht vertretbar. Die Gänse und Enten, die derart zwangsernährt werden, sterben bis zu 20-mal häufiger als nicht gestopfte Tiere. Allein in Frankreich erliegen jährlich fast eine Million Gänse und Enten während der Zwangsfütterung ihren Verletzungen.
Nun könnte man auch sagen, dass eigenverantwortliche Konsumentenentscheide zu einem wünschenswerten Ziel führen können. Eine Deklarationspflicht ist nach dieser Logik eine geeignete Massnahme, um die Konsumentinnen und Konsumenten zu tierleidfreien Entscheidungen zu bewegen. Wir wissen aber aus der Vergangenheit, dass derartige Vorschriften im Tierschutzbereich kaum Verbesserungen bringen. Die Pelzdeklarationspflicht verfolgte dieselbe Logik. [PAGE 534] Untersuchungen zur Pelzdeklarationspflicht und deren Ergebnisse waren ernüchternd, weshalb der Bundesrat den Import von tierquälerisch erzeugtem Pelz schlussendlich ganz verbot.
Es ist nicht klar, warum die Situation bei der Stopfleber anders sein sollte. Zudem ist die Produktion von Stopfleber in der Schweiz bereits seit über vierzig Jahren verboten - ein Verbot, das unterstützt und auch breit anerkannt wird. Wir haben uns in der Schweiz bewusst entschieden, beim Tierschutz hohe Standards zu setzen. Da stehen alle dahinter, und darauf sind wir auch stolz.
Es ist also widersprüchlich, wenn ein Land eine Produktionsmethode aus Gründen des Tierschutzes verbietet, den Import genau solcher Produkte jedoch weiterhin erlaubt. Das untergräbt die Glaubwürdigkeit des eigenen Tierschutzgesetzes. Ein Verbot der Stopfmast ist kein Angriff auf eine Kultur. Es ist eine Weiterentwicklung der Kultur, basierend auf der Weiterentwicklung unserer Werte. Kultur ist etwas Lebendiges; sie verändert sich, sie wächst mit unseren Werten. Ich bin überzeugt, dass die Schweiz auf ihre kulinarische Vielfalt und auf ihre kulinarische Tradition stolz sein kann - aber nur, wenn sie sich klar dazu bekennt, dass extreme Tierquälerei keinen Platz hat.
Ich bitte Sie daher, die Initiative zur Annahme zu empfehlen.