Lexipedia

Regazzi Fabio · Ständerat · 2026-03-19

Regazzi Fabio · Ständerat · Tessin · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-03-19

Wortprotokoll

Ich nehme mit Zufriedenheit zur Kenntnis und danke dafür, dass der Bundesrat meine Motion unterstützt. Das ist keine Selbstverständlichkeit und zeigt, dass auch die Landesregierung den Handlungsbedarf anerkennt.

Die Fakten liegen auf dem Tisch: Die Wolfspopulation ist in den letzten Jahren stark gewachsen; man kann durchaus von einem exponentiellen Wachstum sprechen. Was vor gut fünfzehn Jahren noch eine punktuelle Präsenz war, ist heute ein flächendeckendes Phänomen mit über dreihundert Tieren und mehr als dreissig Rudeln. Diese Entwicklung hat konkrete Folgen, insbesondere für die Alpwirtschaft und die Bergkantone, doch zunehmend sind auch stark besiedelte Regionen betroffen.

Wir führen hier nicht eine abstrakte ökologische Debatte, sondern sprechen über die Realität in unseren Tälern: zunehmende Risse, hohe Kosten für Schutzmassnahmen, Aufgabe von Betrieben, Verunsicherung der Bevölkerung. Es wird eingewendet, die Schweiz sei völkerrechtlich zum Schutz grosser Beutegreifer verpflichtet. Das ist richtig, doch diese Verpflichtung schliesst eine regulierte Steuerung des Wolfsbestandes ausdrücklich nicht aus, solange der günstige Erhaltungszustand gewahrt bleibt. Der Wolf ist weder national noch europaweit vom Aussterben bedroht. Schutz bedeutet Verantwortung, nicht Untätigkeit.

Das heutige System ist im Kern reaktiv. Es erlaubt Eingriffe erst nach wiederholten Schäden und verlangt komplexe Bewilligungsverfahren. In der Praxis führt das zu langen Wartezeiten, steigenden Schäden und grosser Frustration der Betroffenen. Dieses System ist zu langsam und zu schwerfällig. Meine Motion weist deshalb den Weg zu einem Paradigmenwechsel und einem klar definierten, vorausschauenden Management. Ein Schwellenwert, der gemeinsam mit den Kantonen festgelegt wird und regionale Besonderheiten berücksichtigt, schafft Planbarkeit und Transparenz. Wird dieser Wert überschritten, soll regulierend eingegriffen werden können.

An dieser Stelle möchte ich einem erwartbaren Einwand begegnen: Der Wolf ist eine geschützte Art. Ja, das ist korrekt, aber Schutz bedeutet nicht Unantastbarkeit. Auch andere geschützte Arten werden reguliert, wenn es die Stabilität des Ökosystems oder überwiegende Interessen erfordern. Ein Beispiel ist der Steinbock. Auch er ist geschützt, und dennoch reguliert man seinen Bestand gezielt, um ein [PAGE 323] ökologisches Gleichgewicht sicherzustellen. Niemand käme auf die Idee, deshalb von Ausrottung zu sprechen.

Weiter wird argumentiert, Abschüsse könnten Populationen destabilisieren oder zu kompensatorischen Effekten führen. Solche Effekte sind aus der Wildtierbiologie bekannt, doch sie treten nicht unbegrenzt ein und sprechen nicht grundsätzlich gegen eine kontrollierte, verhältnismässige Regulierung. Ebenso wenig ist garantiert, dass sich das Wachstum konfliktfrei von selbst auf ein tragbares Niveau einpendelt, insbesondere in einer dicht genutzten Kulturlandschaft wie der unseren.

Genau darum geht es hier nicht um Eliminierung, sondern um Regulierung. Der Wolf ist in Europa nicht vom Aussterben bedroht. Sein Schutzstatus wurde auf internationaler Ebene angepasst, weil sich die Bestände stark vermehrt haben. Was wir brauchen, ist ein Gleichgewicht zwischen Artenschutz und Kulturlandschaft, zwischen Biodiversität und Alpwirtschaft, zwischen ökologischer Verantwortung und sozioökonomischer Realität. Ein klar geregeltes Wolfsmanagement mit definierten Schwellenwerten ist kein Rückschritt, sondern Ausdruck einer erwachsenen Umweltpolitik. Es schafft Rechtssicherheit, stärkt die Kantone und sorgt für Transparenz, ersetzt weder Herdenschutz noch Prävention, sondern ergänzt sie sinnvoll. [GZ]

Ich bitte Sie deshalb, meiner Motion zuzustimmen.