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Locher Miriam · Nationalrat · 2026-04-30

Locher Miriam · Nationalrat · Basel-Landschaft · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-04-30

Wortprotokoll

Vor einigen Jahren habe ich mich in meiner Heimatgemeinde Münchenstein in Baselland, in der ich lebe und aufgewachsen bin, einbürgern lassen, um Münchensteinerin zu werden und damit meine Lebensrealität bezüglich meines Heimatortes abzubilden. Für mich war es als Kind von Schweizer Eltern und demnach Schweizerin von Geburt an ein vergleichsweise einfaches Verfahren. Und dennoch, lassen Sie mich das sagen, dennoch war es kein angenehmes Gefühl, vor einem Bürgerrat antreten zu müssen und ein Stück weit darauf angewiesen zu sein, zu gefallen, und den Erwartungen, die sehr unterschiedlich ausfallen können, entsprechen zu müssen. Wie viel anspruchsvoller ist dieser Schritt für all jene Mitbürgerinnen und Mitbürger, die eigentlich alle rechtlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen und die nicht nur wie ich ihren Heimatort anpassen wollen, sondern sich um das Schweizer Bürgerrecht bemühen?

Viele Menschen entscheiden sich für eine Einbürgerung und damit für das Bewerben um den Schweizer Pass, weil sie sich als vollwertigen Teil der Gesellschaft fühlen möchten und aktiv mitbestimmen wollen, während sie zugleich mehr Sicherheit fühlen möchten und damit wirklich bessere berufliche und persönliche Perspektiven erhalten können. Aber für diese Menschen ist die Einbürgerung oft ein langer, ein unsicherer Weg, der stark von Uneinheitlichkeit und fehlenden klaren Richtlinien zur Einbürgerung geprägt ist. Gerade deshalb unterstütze ich die Demokratie-Initiative.

Die Schweiz muss ihre Demokratie weiterentwickeln. Menschen, die mitunter seit Generationen hier leben, arbeiten und Teil unserer Gesellschaft sind, aber keinen Zugang zum Schweizer Bürgerrecht haben, sollen nicht weiter künstliche Ausländerinnen und Ausländer bleiben müssen, sondern, wenn sie das möchten und die Voraussetzungen erfüllen, eben Schweizerinnen und Schweizer werden und vollwertig zu unserem Land dazugehören können.

Die Geschichte zeigt klar, dass eine Gesellschaft, je breiter die Demokratie abgestützt ist, desto stabiler und zukunftsfähiger ist. Gerade in der heutigen Zeit ist dieser Fakt so wichtig. Auch die Forschung zeigt, dass schnellere und fairere Einbürgerungsverfahren die beruflichen Chancen der Betroffenen verbessern. Sie führen zu höheren Einkommen und damit auch zu höheren Steuerbeiträgen, was schlussendlich der Wirtschaft, dem Staat und auch der Gesellschaft wieder zugutekommt. Also: Das Einbürgerungsverfahren muss transparent, fair und in der ganzen Schweiz einheitlich ausgestaltet sein.

Es ist hochproblematisch, dass wir Mitmenschen haben, die alle Pflichten, aber keine Rechte haben. Es darf zudem nicht vom Wohnort abhängen, wie hoch die Hürden sind oder wie gross eben die Willkür ist, wenn es darum geht, den Schweizer Pass zu erhalten. Gerechte und weniger hürdenreiche Verfahren eröffnen auch sozial benachteiligten Menschen eine Chance, eine echte Chance auf Einbürgerung. Genau das sollte unser Anspruch an eine inklusive Schweiz sein.

Was hält Sie also zurück? Sind es Ängste? Angst ist ein schlechter Ratgeber, sie trennt und verunsichert. Hoffnung hingegen verbindet, schafft Perspektiven und eröffnet neue Wege. "Demokratie ist kein Zustand, sondern ein Prozess" - daran hat schon Helmut Schmidt erinnert. Lassen Sie uns diesen Prozess mutig und hoffnungsvoll weiterentwickeln und unsere Demokratie stärken.