Lexipedia

Ryser Franziska · Nationalrat · 2026-06-03

Ryser Franziska · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2026-06-03

Wortprotokoll

Wir stehen der Vorlage sehr kritisch gegenüber. Sie öffnet Tür und Tor für zusätzliche Belastungen unserer Böden, unseres Wassers und letztlich unserer Lebensmittel und birgt damit Risiken für unsere Natur, für das Trinkwasser und für die Menschen in diesem Land. Aber wir haben heute noch die Chance, sie zu verbessern.

Ein zentrales Element betrifft die Notfallzulassungen. Künftig sollen Pestizide und Pflanzenschutzmittel, die in der EU im Notfall bewilligt wurden, automatisch auch in der Schweiz zugelassen werden. Die Schwierigkeit ist, dass das gleiche Produkt an einem Ort tolerierbare Belastungen bedeuten kann, an einem anderen Ort aber schon zu viel für die Natur darstellt. Denn die Wirkung von Pestiziden ist nicht überall gleich. Sie hängt stark davon ab, wie sie eingesetzt werden - unter welchen klimatischen Bedingungen, auf welchen Böden, in welcher Topografie. Ein Wirkstoff verhält sich in einem flachen Gebiet mit schweren Böden und wenig Niederschlag anders als in einer alpinen Region mit Hanglagen, durchlässigen Böden und intensiven Niederschlägen. Er wird unterschiedlich ausgewaschen und unterschiedlich abgebaut, und er gelangt unterschiedlich schnell ins Grundwasser.

Deshalb ist die Minderheit Badran Jacqueline bei Artikel 160a Absatz 6 wichtig. Nur wenn die Zulassung unter ähnlichen Bedingungen erstellt wurde, können wir sie automatisch übernehmen. Andernfalls laufen wir Gefahr, dass über diesen Weg Giftcocktails in die Schweiz gelangen, die unsere Natur dauerhaft beschädigen und die Qualität unseres Trinkwassers beeinträchtigen.

Ein zweiter Punkt betrifft Artikel 160a Absätze 3 und[NB]4. Hier unterstützen wir die Variante des Ständerates. Warum? Weil es in Artikel 160a um Wirkstoffe, Safener und Synergisten geht. Entsprechend sollen auch die weiteren Bestimmungen auf diese Komponenten beschränkt bleiben, um mit den in der EU verwendeten Termini kongruent zu sein. Das ist eine technische Feinheit, aber sie ist wichtig, denn Produkte, in denen verschiedene Wirkstoffe kombiniert werden, verhalten sich anders als ihre einzelnen Bestandteile. Es können Wechselwirkungen entstehen, die in Einzelprüfungen nicht sichtbar sind. Die Mischung macht den Effekt, und sie kann Risiken verstärken, neue Eigenschaften hervorbringen oder unerwartete Nebenwirkungen auslösen. Wenn wir hier nicht sauber trennen, laufen wir Gefahr, genau diese komplexen Effekte ungenügend zu berücksichtigen.

Deshalb bitten wir Sie, die beiden Minderheiten zu unterstützen.