Andrey Gerhard · Nationalrat · 2026-06-03
Andrey Gerhard · Nationalrat · Freiburg · Grüne Fraktion · 2026-06-03
Wortprotokoll
Kollege Hurter, der Fall Winterthur ist ja - einfach damit das auch noch gesagt ist - unglaublich schockierend, verstörend. Was vor allem und als Erstes ganz wichtig ist, ist einfach die Anteilnahme am Leid, das diese Menschen da erfahren haben. Ich finde das wirklich grausam.
Auf Ihre Frage zurückkommend, so ist es auch da eine ähnliche Diskussion. Wie weit wollen wir mit dem Arztgeheimnis gehen? Denn die Menschen gehen zu Ärztinnen und Ärzten in der Hoffnung, im Wissen, dass ihre sehr sensiblen Informationen unter ihnen bleiben und eben nicht weitergegeben werden. Die Frage ist: Wann ist der Punkt erreicht, wo man vielleicht einen Schritt weiter gehen muss? Da finde ich - ich bin nicht aus Zürich, ich habe das aus der Ferne angeschaut -, dass Zürich das ganz klug gemacht hat. Denn wenn es eine Auffälligkeit gibt und man genau hinschauen müsste, dann ist man als medizinisches Personal angehalten, die Behörden zu informieren. Da kommt natürlich eine andere Dimension rein. Haben die Fachleute in den Gesundheitsinstitutionen die Zeit? Sind sie richtig ausgebildet, damit sie die Einschätzung einer Gefährdung durch eine Person überhaupt beurteilen können? Das ist dann vielleicht viel wichtiger als irgendwelche Daten, die uns eine Pseudosicherheit geben. Ich würde das viel lieber ganzheitlicher anschauen, damit wir am Ende beide das Gleiche erhalten, das, was wir wollen, nämlich eine sichere Schweiz.