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Silberschmidt Andri · Nationalrat · 2026-06-08

Silberschmidt Andri · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2026-06-08

Wortprotokoll

Strom ist für die Gesellschaft, was das Blut für den Menschen ist. Wenn es nicht fliesst, wenn man zu wenig hat, sind die Folgen verheerend. Und es ist allen bekannt, dass der Strombedarf aufgrund der Digitalisierung und aufgrund der künstlichen Intelligenz in Zukunft zunehmen wird. Es werden neue Datacenter gebaut, wir brauchen mehr Strom. Und nicht nur die Gesellschaft, auch die Wirtschaft ist darauf angewiesen, dass sie immer zu günstigem und verlässlichem Strom Zugang hat. Ist dies nicht der Fall, kommt es zu einem Blackout - der Name der Initiative sagt es -, und ein Blackout muss verhindert werden, weil der Schaden und die Schadenssumme enorm wären. Man müsste plötzlich rationieren, man müsste bestimmen, wer nun die Fabrik laufen lassen darf und wer nicht, und das hätte einschneidende Konsequenzen für die Gesellschaft. Wir müssen alles daransetzen, dass so etwas nicht passieren wird.

Deshalb ist es richtig, dass wir beschlossen haben, dass die erneuerbaren Energien ausgebaut werden müssen. Das dauert leider aber viel zu lange. Wir haben es in der Vergangenheit gesehen: Viele Projekte werden verzögert, sie können nicht realisiert werden, oftmals aufgrund von Einsprachen. Das führt dazu, dass wir in Zukunft nicht genügend Strom zubauen können, um den Bedarf der Bevölkerung und der Wirtschaft zu decken. Aus diesem Grund müssen wir feststellen, dass wir eine grosse Herausforderung haben. Diese wird auch kommen, weil die heutigen Kernkraftwerke irgendwann abgestellt werden müssen. Wir hören und lesen zwar, dass man sie immer länger betreiben kann, aber welchen Sinn ergibt es, dass man die alte Technologie möglichst lange betreiben muss, weil man sich selbst verbietet, in die neue Technologie zu investieren?

Genau hier setzt die Initiative respektive der Gegenvorschlag an. Man sagt klar, das Technologieverbot soll fallen, aber man sagt nicht, dass alle offenen Fragen gelöst sind. Es wurde zu Recht gesagt, dass es Bedenken gibt, was die Wirtschaftlichkeit betrifft, wobei ich hier als Klammerbemerkung erwähnen muss, dass wahrscheinlich kaum ein Stromerzeuger nicht direkt oder indirekt staatlich unterstützt würde. Aber es ist klar, dass ein solches Projekt langfristig wirtschaftlich sein muss. Es ist klar, dass man die Abfälle entsorgen muss. Diese Frage ist technisch im Übrigen gelöst. Jetzt geht es noch um die Standortfrage, und auch dort bin ich zuversichtlich, dass man eine Lösung finden wird.

Was wir aber nicht machen sollten, ist, uns als Schweiz, uns als Land einer Option per se einfach zu verweigern. Denn wir wissen heute nicht, wie wir diesen Stromhunger im Jahr 2050 stillen können. Natürlich braucht es intelligentere Netze, natürlich braucht es mehr Speicher, und natürlich wäre es super, wenn wir noch mehr Strom vom Sommer in den Winter übertragen könnten. Aber wir sollten nicht nur auf das Prinzip Hoffnung setzen, sondern in die Technologie investieren. Und weil wir gerade in der Schweiz sehr intelligente Menschen haben, auch in der Nuklearforschung, ist es jetzt wichtig, dass wir dieses Gesetz anpassen und den Menschen auch eine Zukunft geben, damit sie in der Schweiz nicht nur forschen können, sondern früher oder später auch die Aussicht haben, dass auch wieder in die Kernenergie investiert werden kann. Voraussetzung ist natürlich, dass der Betrieb sicher und wirtschaftlich erfolgen kann, aber es ist klar, dass das immer vorausgesetzt sein muss, wenn eine Rahmenbewilligung erteilt wird.

In diesem Sinne, geschätzte Kolleginnen und Kollegen und geschätzte Bevölkerung: Falls dieser Gegenvorschlag zur Volksabstimmung kommt, stimmen Sie ihm zu! Wir öffnen uns eine neue Option, wir verbauen uns nichts. Wenn alles eintrifft, was die Gegner sagen - dass man diese Kraftwerke gar nie finanzieren kann, dass sie gar nie sicher sein werden -, dann wird es auch kein neues Kernkraftwerk geben. Aber wenn es eine sichere und wirtschaftliche Möglichkeit gibt, sollten wir uns diese nicht verbauen, denn wie ich eingangs erwähnt habe, brauchen wir günstigen und verlässlichen Strom zu jeder Uhrzeit, zu jeder Tageszeit und auch in jedem Monat.

Besten Dank für die Unterstützung des Gegenvorschlages und der Aufhebung des Technologieverbots.