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De Ventura Linda · Nationalrat · 2026-06-08

De Ventura Linda · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-06-08

Wortprotokoll

Ich bin einen Monat nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl geboren. Aus dem Garten in Neunkirch, wo ich aufgewachsen bin, sehen wir die Dampfwolken des Atomkraftwerks Beznau. Es ist 35 Kilometer von meinem Elternhaus entfernt. Schon als Kind habe ich viele Fragen dazu gestellt, und so erzählte mir meine Mutter früh, wie sie als Schwangere und danach, während sie stillte, wegen der radioaktiven Strahlung keine Milch trinken und nichts aus dem Garten essen durfte. Den älteren Kindern aus dem Quartier wurde geraten, nicht im Sandkasten zu spielen. Die Katastrophe, Tausende Kilometer entfernt, veränderte damals auch den Alltag in der Schweiz. Sie löste Unsicherheit und Ängste aus, und sie zeigte, dass Radioaktivität keine Grenzen kennt und wie gefährlich Atomkraft ist.

Einige Jahre später kamen jedes Jahr Kinder aus der Region Masyr in Belarus nach Neunkirch, damit sie einen unbeschwerten Sommer in der Schweiz verbringen konnten. Auch bei uns zuhause lebten jeden Sommer zwei Mädchen. Alessia verbrachte vier Sommer bei uns. Ihr Vater hatte als Feuerwehrmann zu den ersten Einsatzkräften nach der Reaktorexplosion gehört. Kurze Zeit später starb er an den Folgen der Strahlung, nämlich an Schilddrüsenkrebs.

Die Initianten der Blackout-Initiative tun so, als könnte das heute nicht mehr passieren, erst recht nicht bei uns. Sie reden uns ein, dass Atomkraftwerke in der Schweiz sicher seien. Sie versuchen, Atomkraft als moderne, saubere und sichere Lösung zu verkaufen. Nichts davon ist der Fall. Der Abbau von Uran hinterlässt massive Umweltschäden, zerstört Landschaften und belastet Menschen und Umwelt in den Abbaugebieten. Hinzu kommen der Transport, die Anreicherung, der Bau, der Rückbau und die jahrtausendelange Sicherung der Abfälle. Wer die gesamte Kette betrachtet, kann Atomkraft unmöglich als saubere Zukunftstechnologie bezeichnen. Atomstrom ist dreckig und zerstörend und belässt uns in der Abhängigkeit von autoritären Regimes. Und auch wenn der radioaktive Abfall irgendwann einmal, 20 Kilometer von Schaffhausen entfernt, im Tiefenlager Nördlich Lägern liegt, ist er weiterhin über Generationen hinweg hochgefährlich. Eine sichere Lösung für die Entsorgung gibt es nicht, und es wird sie in absehbarer Zukunft auch nicht geben. Doch das scheint die Initianten und Sie von der FDP und der SVP nicht zu kümmern.

Die Blackout-Initiative ist der Versuch, eine umweltschädigende und gefährliche Technologie des letzten Jahrhunderts in der Schweiz wiederzubeleben. Neue Atomkraftwerke sind erst in Jahrzehnten verfügbar, bremsen den Ausbau erneuerbarer Energien aus, kosten Milliarden und können ohne staatliche Unterstützung weder gebaut noch betrieben werden. Nichts an dieser Initiative ist nachhaltig, sauber, ökologisch oder sicher. Wiederholen wir die Fehler der Vergangenheit nicht; setzen wir konsequent auf erneuerbare Energien statt weiterhin auf atomare Risiken.

Lehnen Sie die Blackout-Initiative und den Gegenvorschlag des Bundesrates ab.