Graf Maya · Ständerat · 2026-06-09
Graf Maya · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2026-06-09
Wortprotokoll
Ich möchte Ihnen empfehlen, mein Postulat 26.3245, "Ressourceneffiziente Nutzung des Schweizer Graslandes", anzunehmen.
Ich möchte, dass der Bundesrat prüft, wie die Nutzung des Schweizer Graslandes in der Agrarpolitik 2030 plus besser berücksichtigt und gefördert werden kann, mit dem Ziel, die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion ressourceneffizient, standortangepasst und tierfreundlich zu fördern.
Warum ist das so wichtig? Mit 70 Prozent Grünlandflächen ist die Schweiz ein Grasland. Dieses Land der Grünlandflächen importiert Rindfleisch, und zwar jedes Jahr mehr, obwohl wir Milch und Fleisch mit dem Gras, das hier wächst, graslandbasiert produzieren könnten. Die Ausgangslage ist also so - ich werde es noch mit ein paar Zahlen untermauern -, dass auf der einen Seite die Importe von Rindfleisch allein 2025 um 22,6 Prozent gestiegen sind. Im selben Jahr ist aber der Inlandanteil von Rindfleisch - es geht auch um die Verarbeitung von Rindfleisch - von 81,8 auf 77,4 Prozent gefallen. Auf der anderen Seite, und das wissen Sie sehr gut, weil wir hier bereits intensiv darüber diskutiert haben, gibt es auf dem Milchmarkt grosse Schwierigkeiten, weil zu viel Milch da ist und weil damit die Preise und vor allem die Bauernfamilien unter Druck geraten.
Das Postulat will den Bundesrat in einer breiten Allianz auffordern, die effiziente Nutzung des Grünlands und der Ressource Gras bzw. Raufutter als Schlüssel zur Förderung einer inländischen, qualitativ hochstehenden Lebensmittelproduktion zu stärken. Das verbessert nicht nur unsere Ernährungssicherheit, sondern reduziert auch die Klimawirkung der Schweizer Landwirtschaft. Dazu braucht es eben eine stärkere Ausrichtung auf graslandbasierte Produktionssysteme. Zudem können wir damit auch den bestehenden Handlungsbedarf bei der Gesundheit der Kälber angehen - das Stichwort dazu ist der Antibiotikaeinsatz, der durch das Abtränken auf dem Geburts- oder einem Partnerbetrieb wesentlich reduziert werden kann. Kälber aus Milchviehherden sollen ausserdem zu einem höheren Anteil grasland- und weidebasiert gemästet werden.
Diese graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion ist nicht nur ressourceneffizient, sondern sie erzielt auch eine grössere Netto-Protein-Produktion, reduziert die Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz, trägt durch Humusaufbau zur CO2-Sequestrierung bei und - das muss ich auch erwähnen - fördert das Tierwohl und steigert die Biodiversität in der Weidehaltung. Das sind also die positiven Effekte, wenn wir in eine ressourceneffiziente Nutzung unseres Schweizer Graslandes investieren.
In meinem Postulat werden auch Vorschläge für ein besseres Anreizsystem gemacht, und der Bundesrat wird gebeten, diese zu prüfen. Es ist daher bedauerlich, dass der Bundesrat nicht bereit ist, das Postulat entgegenzunehmen, diese Vorschläge für die AP 2030 plus zu prüfen und uns zu zeigen, wie Fördermassnahmen ergebnisorientiert getroffen werden können. Zu sagen, es gehe nur um Massnahmen, ist meiner Meinung nach kein Ablehnungsgrund - nein, das ist es nicht. Es geht eben um Vorschläge aus der Branche selbst, wie die Situation auf den Bauernbetrieben verbessert werden kann. Das heisst, dass die Vereinfachung dann auch für die Bauernbetriebe gegeben ist, wenn die gezielte Förderung von Produktionssystemen in die AP 2030 plus aufgenommen wird.
Ich kann Ihnen versichern, das war ein Austausch mit der ganzen Branche. Die Schweizer Milchproduzentinnen und -produzenten setzten sich mit Mutterkuh Schweiz, dem Schweizer Bauernverband und Bio Suisse zusammen. Sie arbeiteten gemeinsam diese gezielten Verbesserungen in den Strukturen aus, weil wir alle ein Interesse daran haben, dass die Milch- und Fleischproduktion wieder näher zusammengebracht wird, auf der Basis unseres Graslandes bzw. unseres Raufutters, das in der Schweiz wächst.
Diese Lösungsvorschläge stammen also aus einem Ressourcenprojekt dieser Branchen, die ich aufgezählt habe. Es wäre sehr, sehr wichtig, dass das Direktzahlungssystem für die Betriebe einfach ausgestaltet ist, es aber unbedingt auch die von der Branche gewünschten Unterstützungen enthält. Genau das fordert das Postulat.
Ich möchte Sie bitten, das Postulat zu unterstützen, damit wir zusammen mit der Branche und dem Bundesamt sowie dem Parlament bei der ressourceneffizienten Nutzung unseres Schweizer Graslandes wirklich einige Schritte weiterkommen.