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Vontobel Erich · Nationalrat · 2026-06-11

Vontobel Erich · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-06-11

Wortprotokoll

Meine Motion irritiert auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen. Aber bei genauerem Hinsehen löst sie ein sehr konkretes Problem. Frauen sind in der Armee einem deutlich erhöhten Risiko von Übergriffen ausgesetzt. Das ist ein strukturelles Problem, und es betrifft genau diejenigen, die freiwillig Dienst leisten. Das ist unfair. Man kann die entsprechende Studie kritisieren, aber im Grunde hat sie recht, und wir Männer wissen das. Wenn hundert Soldaten und eine Soldatin zusammen sind, ist die Gefahr gross, dass diese Frau isoliert ist und unangenehme Situationen erlebt. Die Frage ist: Wollen wir dieses Problem lösen, sodass wir auch unseren Töchtern sagen können: "Doch, geh auch ins Militär"?

Die Motion verlangt keine totale Neuausrichtung der Armee. Niemand wird zu irgendetwas gezwungen. Sie verlangt auch keine teuren Reformen. Sie schlägt einfach vor, Pilotprojekte dazu durchzuführen, wie wir durch eine gezieltere Einteilung das Geschlechterverhältnis verbessern können. Denn dort liegt das Problem. Heute haben wir Einheiten mit 98 Männern und vielleicht ein oder zwei Frauen. Das ist nicht gut, weil die Frauen da völlig isoliert sind. Es gibt zwar Truppengattungen, in denen das Verhältnis etwas besser ist, aber auch da sprechen wir von maximal fünf Frauen auf 100 Männer. In der Infanterie ist es eine Frau auf 150 Soldaten. Wenn wir aber in einer Einheit eine kritische Masse erreichen, sagen wir, 15 oder 20 Prozent Frauenanteil, dann verändert sich die Dynamik: Frauen sind nicht mehr Einzelne, sondern Teil der Gruppe. Das erhöht die Sicherheit der Frauen, stärkt ihr Selbstvertrauen und macht den Militärdienst für Frauen letztlich attraktiver.

Der Bundesrat argumentiert mit der Gleichbehandlung, aber de facto haben wir keine Gleichbehandlung, wenn die Frauen in besonderem Mass unter übergriffigem Verhalten leiden müssen. Die Motion will die Frauen auch nicht isolieren, sondern einfach zum Beispiel pro Kompanie alle Frauen in einen Zug oder in die Herbst-RS einteilen. Die Frauen sind deswegen trotzdem noch in der Minderheit, aber nicht mehr ganz so extrem. Sie sind trotzdem noch ein Teil der ganz normalen RS, aber einfach so eingeteilt, dass das Grüppchen Frauen ein bisschen grösser ist. Schliesslich geht es um Pilotprojekte, wir reden hier nicht über einen unumkehrbaren Systemwechsel, sondern über einen Test. Wenn es funktioniert, profitieren wir, wenn nicht, können wir nachjustieren.

Ich bitte Sie deshalb, sehen Sie diese Motion nicht als ideologisches Projekt, sondern als das, was sie ist: ein pragmatischer Vorschlag zur Stärkung unserer Armee und zum besseren Schutz unserer Soldatinnen.