Pult Jon · Nationalrat · 2026-06-15
Pult Jon · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-06-15
Wortprotokoll
Die ausführliche Diskussion, die wir letzte Woche und heute geführt haben, ist ja schon ein Hinweis darauf, dass AKW nicht die Lösung für unsere energiepolitischen Herausforderungen sind, nur schon aus Akzeptanzgründen. Ich möchte Ihnen aber jetzt zum Schluss der Diskussion noch zehn konkretere Gründe nennen, warum AKW nicht die Lösung für unsere energiepolitischen Herausforderungen sind:
1.[NB]AKW produzieren radioaktive Abfälle, die über 100[NB]000 Jahre gefährlich bleiben. Die Endlagerung dieser hochgiftigen Abfälle ist real nach wie vor nicht gelöst. Diese toxische Hypothek für unsere Kinder und Enkelkinder dürfen wir nicht weiter aufstocken.
2.[NB]Das GAU-Risiko mit potenziell dramatischen Folgen ist trotz aller gegenteiligen Beteuerungen real. Von den rund 200 kommerziellen Atomreaktoren, die bisher weltweit ihr Lebensende erreicht haben, haben fünf eine Kernschmelze erlebt, fünf von 200. Dieses historisch hohe Unfallrisiko ist unverantwortlich. Oder würden Sie in ein Flugzeug steigen, wenn Sie wüssten, dass bisher 2,5 Prozent aller je gebauten Flugzeuge abgestürzt sind?
3.[NB]AKW stellen ein erhebliches militärisches Risiko und Terrorrisiko dar. Faktisch sind AKW - etwas zugespitzt ausgedrückt, das gebe ich zu - die Atombomben des Feindes im eigenen Land. Noch mehr davon wollen wir nicht.
4.[NB]Uran muss zu hundert Prozent importiert werden. Die Beschaffung ist geopolitisch äusserst risikoreich. Zusätzliche Abhängigkeiten von Schurkenstaaten wie Russland sind nicht zu verantworten.
5.[NB]Wären die Risiken eines AKW vollständig privat zu versichern, wäre Atomstrom unbezahlbar. Deshalb haftet letztlich überall, wo es Atomkraftwerke gibt, der Staat. Faktisch verfügt jedes AKW über eine Staatsgarantie. Diese enormen Kosten und Risiken für die Steuerzahlenden dürfen wir nicht weiter erhöhen.
6.[NB]Die Neubaukosten von AKW explodieren weltweit. Beispiele wie Hinkley Point oder Flamanville wurden immer wieder genannt und zeigen, dass Verzögerungen und Kostenüberschreitungen die Regel und nicht die Ausnahme sind. Die Schweiz braucht finanziell gesehen keine solchen Fässer ohne Boden.
7.[NB]Die hohen Investitionskosten machen neue AKW in einem Umfeld volatiler Strompreise wirtschaftlich höchst unattraktiv. Ohne massivste Subventionen investiert niemand in solche Projekte.
8.[NB]Atomstrom ist keineswegs verlässlich. Die europäische Energiekrise 2022 hat gezeigt, wie stark Ausfälle von AKW, damals in Frankreich, die Versorgung beeinträchtigen können. Erneuerbare Energien, kombiniert mit Speichern, bieten langfristig die viel robustere Lösung.
9.[NB]Ein Atomstrom-Revival schwächt die Versorgungssicherheit, weil jeder Franken, der in neue AKW fliesst, beim Ausbau von Sonnen- und Windenergie, bei der Wasserkraft, Speichern und Energieeffizienz fehlt.
10.[NB]Die Atomlobby und leider auch Herr Bundesrat Rösti fordern ja bereits bzw. haben da und dort die Absicht geäussert, Gelder aus dem vom Volk angenommenen Stromversorgungsgesetz für den Bau neuer AKW umzuleiten, nachdem das Volk diesem Gegenvorschlag allenfalls zugestimmt hat. Das wäre eine Zweckentfremdung entgegen dem Volkswillen und würde den erfolgreichen Ausbau der erneuerbaren Energien gefährden.
Aus diesen zehn und, ehrlich gesagt, aus noch vielen weiteren Gründen gilt: Ein Revival der Atomkraft ist sachlich unverantwortlich. Einen echten Beitrag zur Versorgungssicherheit oder zur Erreichung der Klimaziele leistet es nicht. Im Gegenteil vernebelt jede Diskussion über neue AKW den Blick auf die eigentliche Aufgabe der Energiepolitik: den raschen Ausbau der erneuerbaren Energien, den Aufbau zusätzlicher Speicherkapazitäten und den Fortschritt bei der Energieeffizienz.
Darum empfehle ich Ihnen dringend, die Blackout-Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und den Gegenvorschlag abzulehnen.