AB 39695
Gutzwiller Felix · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2003-12-17
Wortprotokoll
Dies ist offensichtlich eine sehr wichtige Debatte im Kontext dieses Gesetzes. Ich darf noch einmal präzisieren: Es geht hier um die Fremdtransplantation nur und ausschliesslich von lebenden Organen, Geweben und Zellen; das ist das Thema.
Sie haben es gesehen, es gibt drei Vorschläge: ein Verbot, ein Moratorium und ein eingeschränktes Moratorium gemäss Antrag Cavalli. Die Kommissionsmehrheit schlägt Ihnen klar vor, alle diese drei Varianten abzulehnen. Auch wenn die Variante Cavalli nicht vorgelegen hat, ist sie doch eben der Moratoriumsfrage unterzuordnen.
Ich darf noch einmal kurz darauf hinweisen, dass es heute eine gesetzliche Grundlage für diesen Bereich gibt. Wir haben den zitierten so genannten "Blutbeschluss" von 1999. Dieses Parlament hat damals sämtliche Ansinnen, die jetzt hier wieder auftauchen, klar verworfen. Es hat Moratorien abgelehnt, es hat Verbote abgelehnt. Seither gibt es keine neuen Erkenntnisse bezüglich Risiken, die hier aufgeführt würden. Etwa das erwähnte Sars hat mit dieser Thematik [PAGE 2074] gar nichts zu tun. Selbstverständlich ist Sars eine Mensch-Tier-Interaktion, aber sie hat gar nichts mit einer Xenotransplantation zu tun, sondern schlicht mit dem engen Zusammenwohnen von Mensch und Tier im südostasiatischen Raum. Das ist die Genese von Sars. Also dieses hier angeführte Gespenst hat mit der Thematik der Debatte selber nichts zu tun.
Ich darf auch darauf hinweisen, dass es mit diesem "Blutbeschluss" auf der Verordnungsebene heute verboten ist, Organe, Gewebe und Zellen von Primaten zu "xenotransplantieren". Sie dürfen also heute schon zum Beispiel an Affen bzw. Primaten nicht entsprechende Versuche vornehmen. Es gibt ein klar reguliertes Feld, aber es soll nicht verboten werden, es sollen keine Denkpausen - sprich: Moratorien - umgesetzt werden. Denn - Sie haben es gehört - es laufen heute Versuche, auch im Ausland. Ich darf erwähnen: Zum Beispiel laufen Versuche mit Inselzellen, also mit Zellen, die Zuckerkranken, Diabeteskranken, wieder zu einem normalen Blutzucker verhelfen. Es sind dies Inselzellen von Schweinen. Frau Kollegin Graf hat zwar gesagt, sie möchte nicht mit einem Schweineherz leben - diesen Entscheid überlasse ich gerne Frau Graf. Wenn ich aber zuckerkrank wäre, und ich könnte in der Zukunft einmal mit entsprechenden Schweinezellen meine Zuckerkrankheit heilen, dann würde ich wohl nicht darauf verzichten wollen.
Sie sollen also hier nicht den Moratorien oder den Verboten nachhelfen, weil damit ein spannendes, wichtiges, zukunftsträchtiges medizinisches Gebiet eingeschränkt würde. Es gilt dies nicht nur für die Zuckerkrankheit, es laufen auch Versuche mit Leberzellen von Schweinen, oder es laufen etwa Versuche mit entsprechenden tierischen Zellen zur Heilung von degenerativen Gehirnkrankheiten. Es wäre also falsch, diese Dinge zu unterbinden.
Deshalb komme ich zum Schluss: Stimmen Sie der Mehrheit zu, und verwerfen Sie die entsprechenden Minderheitsanträge.