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Forster-Vannini Erika · Ständerat · 2003-12-16

Forster-Vannini Erika · Ständerat · St. Gallen · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2003-12-16

Wortprotokoll

Ich bin sehr dankbar für das Votum von Herrn Schmid. Es zeigt doch, dass wir uns in einer Frage alle einig sind: Wir sind uns nämlich darüber einig, dass die Blockzeiten eine wichtige Sache sind. Die Frage ist nun: Was machen wir? Sollen wir hier diesem Vorstoss zustimmen, sollen wir das in die Verfassung nehmen, ja oder nein?

Ich möchte noch einen Grund hinzufügen, weshalb ich wirklich der festen Überzeugung bin, dass Blockzeiten in der ganzen Schweiz einzuführen sind. Wir haben jetzt Frau Fetz gehört; sie sagt, es sei für die Kinder eine gute Sache. Aber vergessen wir die Frauen nicht: Es ist gerade für die Frauen eine ausgezeichnete Sache. Weshalb? Es unterbrechen immer noch viele Frauen die Erwerbstätigkeit nach der Geburt eines Kindes. Zwischen 1970 und 1990 hat die Erwerbsquote bei den in Paarbeziehungen lebenden Frauen, unabhängig von deren Alter und der Anzahl im Haushalt lebender Kinder, zugenommen. Das Alter der Kinder wirkt sich stärker auf die Frauenerwerbsquote aus als die Zahl der Kinder. Frauen mit drei Kindern oder mehr, von denen das jüngste mindestens sieben Jahre alt ist, sind eher erwerbstätig als Frauen, die nur ein Kind unter sieben Jahren haben. Gleichzeitig verzeichnen wir eine tiefe Geburtenrate, das heisst, viele Frauen respektive Paare entschliessen sich, keine Kinder zu haben, damit sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen können. In diesen statistischen Sachverhalten spiegelt sich die Tatsache, dass die familienergänzende Betreuung, insbesondere im Vorschulalter, immer noch alles andere als befriedigend gelöst ist - obwohl wir jetzt hören, dass die Kantone dahinter stehen, dass die Gemeinden dahinter stehen. Aber ich bin eben der Meinung, man sollte hier noch mehr Druck machen. Die Probleme lösen wir mit der Einführung der Blockzeiten nicht.

Ich gehöre zu jener Generation Frauen, die, je älter sie werden, desto mehr ein Déjà-vu-Erlebnis haben. Die Diskussionen von heute sind über weite Strecken identisch mit jenen von vor dreissig Jahren. Damals wie heute fehlen aber auch die volkswirtschaftlichen Betrachtungen beinahe völlig. Frauen haben heute die gleiche Ausbildung wie Männer, das ist eine Errungenschaft. Gleichzeitig stellen wir aber fest, dass sie ihre Ausbildung nur noch in spärlichem Mass persönlich amortisieren, was wiederum Einfluss auf die Berufswahl hat. Mehr oder weniger unbewusst suchen viele Frauen Berufe, die familienkompatibel sind, das heisst teilzeittauglich. Das sind gleichzeitig Berufe im tieferen Lohnbereich mit weniger Aufstiegschancen. Andererseits stellen wir fest, dass eine jüngere Generation unbekümmert studiert, die Ausbildung abbricht, um eine Familie zu gründen, oder nach Abschluss der Ausbildung die Erwerbstätigkeit für eine mehr oder weniger lange Zeit ganz unterbricht. Das erzeugt auch volkswirtschaftliche Kosten. Es ist und bleibt nach meiner Meinung ein Unsinn, Frauen gleichberechtigt eine Ausbildung zu finanzieren und sie wegen fehlender Strukturanpassungen in Vorschule und Schule nachher geradezu zu zwingen, ihre teure Ausbildung an den Nagel zu hängen.

Sie sehen, es gibt verschiedenste Gründe, für diese Motion einzustehen - vonseiten der Kinder, der Frauen, der Familie -, dass diese Blockzeiten nun endlich in der ganzen Schweiz flächendeckend eingeführt werden. Ich teile die Meinung, dass das Anliegen nicht unbedingt verfassungswürdig ist, aber es ist ja eine sehr offene Formulierung; es heisst hier einfach, die Umsetzung habe innerhalb der nächsten vier Jahre zu geschehen. Herr Stadler, Herr Bieri, es bleibt offen, wie das genau eingerichtet werden soll. Es soll aber klar eingerichtet werden.

Ich befürchte: Wenn wir hier Nein sagen, wird es genauso langsam weitergehen, und wir werden über diese Fragen auch noch in zehn, fünfzehn Jahren diskutieren.

Deshalb bitte ich Sie - trotz rechtlicher Bedenken -, diese Motion zu überweisen, damit die Blockzeiten endlich flächendeckend in der Schweiz eingeführt werden.