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Dormann Rosmarie · Nationalrat · 1999-12-06

Dormann Rosmarie · Nationalrat · Luzern · Christlichdemokratische Fraktion · 1999-12-06

Wortprotokoll

Stellen Sie sich vor, wir wären ein Volk ohne Kultur, hätten nichts zu bieten, nichts zu fördern! Zwischen den verschiedenen Sprachräumen und -kulturen gäbe es keinen Dialog - gegenseitig hätten wir nichts auszutauschen. Wie arm wäre unser Land, wie dürftig unser Alltag! Nein, zum Glück trifft dies nicht zu! Wir Schweizerinnen und Schweizer "kulturen" im wahrsten Sinne des Wortes. Auch viele Ausländerinnen und Ausländer "kulturen" in unseren heimischen Räumen. Wir pflegen nicht unbedingt die gleiche Kultur wie die Ausländerinnen und Ausländer; doch auch ihre Kultur vermag uns in verschiedenen Bereichen zu faszinieren. Ich denke an Musik- oder Tanzaufführungen von Ausländerinnen und Ausländern, aber auch von Schweizern. Ich denke aber auch an die Esskulturen Italiens, Asiens - etwa Chinas -; auch wie und was wir essen, ist nämlich kulturbedingt. Wie wir uns vergnügen, miteinander sprechen, miteinander und mit der Umwelt umgehen, wie wir wohnen, einander begegnen - dies ist Gestalten von Leben, Kultur. Als Beispiel könnten wir hier auch nennen: Dass wir uns kleiden, ist Zivilisation - wie wir uns kleiden, Kultur. Welche Rahmenbedingungen wir z. B. der Textilbranche geben, ist somit nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Kulturpolitik.

Meiner Ansicht nach muss Kultur in erster Linie von privaten Kräften getragen werden. Dies geschieht in unserem Land: [PAGE 2381] Kultur quillt ja aus allen Ritzen und Fugen. Denken Sie an die Pflege des Brauchtums, die Fasnacht in Luzern, Basel oder in der Ostschweiz, an Laientheater, Strassenmusikanten und -musikantinnen und vieles mehr. Am heutigen 6. Dezember pflegen wir - Sessionsbeginn hin oder her - das Brauchtum des Sankt Nikolaus; auch das ist Kultur.

Kultur ist aber nicht einfach selbsttragend. In unserem Land engagiert sich die öffentliche Hand auf allen Ebenen vielfältig: mit Musikschulen auf Volksschulstufe, dem Ausschreiben von Festspielen für Jubiläen von Kantonen oder Gemeinden, Beiträgen an Theater und Konzerthäuser usw.

Auf der obersten Ebene engagiert sich der Bund für die Pflege der kulturellen Beziehungen zum Ausland durch die Stiftung Pro Helvetia. Sie ist die eigentliche "Kulturantenne" des Bundes: Sie wahrt das kulturelle Schaffen, vermittelt Kulturaustausch zwischen den Völkern, fördert unsere Kultur im In- und Ausland und pflegt die kulturellen Beziehungen zum Ausland. Kurz: Gäbe es die Stiftung Pro Helvetia nicht, müssten wir sie heute schaffen. Zum Glück aber existiert und bewährt sie sich in unserem Land bereits seit 60 Jahren; sie garantiert uns in diesem Land die Vielfalt der Kulturen.

Durch die Unverzichtbarkeit der Kultur ist die finanzielle Unterstützung der Stiftung Pro Helvetia für die CVP-Fraktion eine "Frage von Kultur". Deshalb stimmen wir mit Überzeugung für Eintreten auf den Entwurf zum Bundesbeschluss über die Finanzierung der Tätigkeiten der Stiftung Pro Helvetia in den Jahren 2000-2003 und stimmen dem Antrag der Mehrheit bzw. dem Beschluss des Ständerates zu. Ich bitte Sie, das Gleiche zu tun.