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Wyss Ursula · Nationalrat · 2000-06-07

Wyss Ursula · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-06-07

Wortprotokoll

Wir diskutieren heute über unsere Zukunft, unsere Zukunft in Europa, vor allem auch über die Zukunft der jungen Generation. Nicht von ungefähr ist die Initiative "Ja zu Europa!" vor allem von jungen Bürgerinnen und Bürgern ins Leben gerufen worden. Diese Generation ist in einem Europa aufgewachsen, in dem starre nationale Grenzen nicht mehr der Realität entsprechen. Die Jugend von heute lebt bereits in einem Europa, in dem ihre Sozialisation nicht mehr einfach vom Wohnort Bülach, vom Quartier Bümpliz oder vom Dorf Niederbipp bestimmt wird, sondern von der Begeisterung für Brit Pop, der Aufbruchstimmung Berlins oder meinetwegen der Leidenschaft für Manchester United. Das heisst nicht, dass wir unsere Schweizer Kultur, unseren Dialekt, unsere Herkunft verleugnen, aber es ist eben ein neues, transnationales Orientierungsmuster dazugekommen. Wir wollen mitbestimmen, und wir wollen dazugehören. Wir wollen die zukünftige Entwicklung Europas nicht aus dem Fernsehsessel mitverfolgen, sondern sie aktiv mitgestalten. Wir wollen nicht ausbrechen aus der Schweiz, wir wollen aufbrechen - mit der Schweiz, nach Europa!

Unsere sektorielle Europapolitik droht heute im Sand zu verlaufen, oder besser: im Sandkasten helvetischer Blockadepolitik. Doch der Bau am zukünftigen Haus Europa ist kein Sandkastenspiel, bei dem man sich nach Lust und Laune einklinken kann; er hat längst begonnen. Europa ist mehr als eine Vision, Europa ist konkrete Zukunft, Zukunft ist Herausforderung; sie weckt selbstverständlich Ängste, aber gerade darum braucht die Diskussion über die Zukunft unseren Mut. Die Schweiz sollte diese Herausforderung mit einer Haltung der selbstbewussten Stärke annehmen; annehmen, um Kritik an verfehlten Entwicklungen der Europäischen Union zu üben, aber vor allem auch um konstruktiv an einem sich rasch wandelnden Europa mitzuarbeiten.

[PAGE 559] Wir können nicht entscheiden, ob Europa uns beeinflussen soll oder nicht - wir können einzig entscheiden, ob wir dabei die Bedingungen mitgestalten wollen oder ob sie uns ausschliesslich von anderen diktiert werden. Je frühzeitiger und entschlossener wir diese Diskussion führen und je eher wir sowohl nach innen als auch nach aussen signalisieren, dass wir mitreden wollen, desto mehr wird für uns auch in der Substanz mitzuentscheiden sein. Je früher und entschlossener wir uns auf den Europazug, der die Fahrt längst begonnen hat, aufschwingen, umso komfortabler wird der Platz sein, den wir als künftiges Mitglied der europäischen Staatengemeinschaft einnehmen.

Ich beantrage Ihnen von ganzem Herzen, die Initiative zur Annahme zu empfehlen und dem Antrag der Minderheit II, die Verhandlungen seien bis Ende 2001 aufzunehmen, zuzustimmen.

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