Allemann Evi · Nationalrat · 2004-06-14
Allemann Evi · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2004-06-14
Wortprotokoll
Wenn ich Ihnen hier versichere, ich hätte selber nie gekifft, glauben Sie mir das nicht, obwohl es sogar stimmt. Dies zeigt doch nur eines: Das Ausprobieren von Cannabis ist für meine Generation die Regel geworden, so, wie das Rauchen von Tabak oder das Trinken von Alkohol es längst schon sind. Untersuchungen zeigen zumindest, dass der Cannabiskonsum mit dem Älterwerden wieder zurückgeht, im Gegensatz zu Tabak- und Alkoholkonsum, die leider auf hohem Niveau verbleiben. Dessen kann man sich ja in der Wandelhalle und an einschlägigen Apéros immer wieder versichern.
Die Kriminalisierung von Cannabis hat bis heute nicht zu einem Rückgang des Konsums geführt - im Gegenteil: Dieser ist ständig noch angewachsen. Der Reiz des Verbotenen tut seine Wirkung genauso wie die mangelnde Information. Gerade weil den meisten Erwachsenen und Jugendlichen klar ist, wie lächerlich die Verteufelung von Cannabis ist, hat sich vielerorts eine unerfreuliche Banalisierung eingeschlichen. Hier drinnen sollten wir nicht dogmatische Phrasen dreschen, sondern die Vernunft walten lassen. Es ist weder Verteufelung noch Banalisierung gefragt. Gefragt sind Fakten, und Fachleute sagen alle dasselbe: Cannabis ist sicher nicht gesund, aber auch nicht schädlicher als Alkohol oder Tabak.
Heute kiffen mindestens eine halbe Million Menschen in diesem Land gelegentlich oder regelmässig. Die Drogenpolitik der Verbote, der Repression und Überwachung ist kläglich gescheitert. Diese Drogenpolitik steht für Doppelmoral, Vorurteile und künstlich geschürte Ängste. Es kommt mir so vor, wie wenn Sie ein Gesetz gegen schlechtes Wetter machen würden und dann staunen, wenn es trotzdem regnet.
Gerade von bürgerlicher Seite wird viel von Eigenverantwortung gesprochen. Dazu sage ich nur: Hier und heute können Sie beweisen, wie viel Sie davon wirklich halten.
Diese Debatte heute beschäftigt gerade junge Menschen stark. Beweisen wir ihnen, dass Politik nicht so weit weg ist von ihren Lebenserfahrungen, und treten wir auf die Diskussion über das Betäubungsmittelgesetz ein.