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Randegger Johannes · Nationalrat · 2004-09-28

Randegger Johannes · Nationalrat · Basel-Stadt · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2004-09-28

Wortprotokoll

Nach den Eintretensvoten der Sprecher der SP-, der CVP- und der SVP-Fraktion werden es die Anträge der Minderheit I und der Minderheit II, bei denen es um die Praktikumsfrage geht, offenbar schwer haben.

Ich gebe Ihnen meine Interessenbindungen bekannt, damit Sie sehen, dass ich auf beiden Seiten stehe, sowohl auf der Seite der Berufsbildung wie auch auf jener der Fachhochschulen. Ich bin Präsident des Berufsbildungsverbundes Apprentas, mit 690 Lehrlingen. Ich bin auch Fachhochschulrat der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Worum geht es hier? Wenn gesagt wird, wie das Kollege Rutschmann heute Morgen getan hat, dass es zu einer ungehinderten Zulassung von Maturanden an die Fachhochschulen komme, wenn wir die Minderheit I oder die Minderheit II unterstützen, dann ist das schlicht und einfach falsch. Es geht hier lediglich darum, dass das einjährige Praktikum, das der Bundesrat in der neuen Vorlage vorsieht, insofern noch verbessert und präziser gefasst wird, als berufspraktische und berufstheoretische Kenntnisse verlangt werden. Jetzt geht es lediglich um die Frage, ob Sie der Auffassung sind, dass man dieses Praktikum optimal gestalten will, sowohl für denjenigen, der das Praktikum machen muss, nämlich den Maturanden, als auch für denjenigen, der eine Praktikumsstelle anbietet.

Wenn Sie bei der bundesrätlichen Version bzw. bei der Mehrheit bleiben, dann muss das Praktikum vor Beginn des Studiums gemacht werden. Sie können dann sagen: jawohl! Dann haben wir den Abwehreffekt, den offenbar Kollege Rutschmann will. Er will möglichst verhindern, dass Maturanden und junge Leute mit einem gleichwertigen Abschluss an der Fachhochschule studieren können. Darum muss dieses Praktikum auf einem möglichst tiefen Niveau sein - sprich: Es muss wenig bieten bezüglich theoretischer Erfahrungen, es muss wenig bieten bezüglich Übernehmen von Verantwortung in diesem Fachrichtungsbereich, in der Wirtschaft; es muss möglichst schwierig sein, eine solche Praktikumsstelle zu finden. Dann hat Kollege Rutschmann sein Ziel erreicht, nämlich: Abwehr, Verhindern, Vermeiden!

Bei der Revision des Berufsbildungsgesetzes war ich auch noch auf der Seite derjenigen, die die damalige Motion Beerli bekämpften; ich war auch noch auf jener Seite. Heute bin ich etwas gescheiter geworden. Ich bin etwas gescheiter geworden, indem ich nämlich auch die Interessen derjenigen, die Praktikumsstellen anbieten, wahrnehmen will. Wenn beispielsweise zu uns in der chemischen Industrie ein junger Maturand kommt, der eigentlich neben dem bisschen Chemie, das die Schüler heute im Gymnasium haben, keine Praxiserfahrung hat, dann nützt mir der Mann - oder die [PAGE 1441] Frau - nicht viel. Genauso ist es bei allen anderen technischen Berufen. Wenn aber ein junger Mensch bereits mit zwei oder drei Semestern Studium kommt, dann kann ich ihn in den Arbeitsprozess einbinden, ich kann ihm Verantwortung überbinden, und er lernt wesentlich mehr. Zudem fordert ja der Bundesrat, dass eben auch berufstheoretische Kenntnisse vermittelt werden.

Dieses einjährige Praktikum - darum mein Minderheitsantrag - muss ein Jahr vor Diplomabschluss absolviert werden. Damit braucht ein Maturand für das Fachhochschulstudium vier Jahre. Er kann beginnen, er kann nach einem oder nach zwei Jahren das Praktikum machen, kommt wieder zurück in die Schule und schliesst das letzte Studienjahr mit dem Diplom ab. Dies ermöglichen Sie, wenn Sie dem Antrag meiner Minderheit I folgen. Das heisst, er bekommt keine ECTS-Punkte für das Praktikum, aber er hat wesentlich grössere Chancen, enorm bessere berufspraktische Kenntnisse zu erwerben, das Wirtschaftsleben in Erfahrung zu bringen und auch theoretisch voranzukommen. Hier geht es um eine kleine Flexibilisierung. Bitte versinken Sie nicht im Grabenkrieg zwischen gewerblichen Berufen und Hightech-Berufen.

Unterstützen Sie die Minderheit I. Eine kleine Flexibilisierung bringt sehr viel für die Anbieter von Praktikumsstellen, für die Studenten und für die Fachhochschulen.