Wäfler Markus · Nationalrat · 2004-09-28
Wäfler Markus · Nationalrat · Zürich · EVP/EDU Fraktion · 2004-09-28
Wortprotokoll
Wir unterstützen hier ein aus unserer Sicht berechtigtes Anliegen der Rektoren und Rektorinnen der Diplommittelschulen (DMS), heute neu Fachmittelschulen (FMS) genannt, in der Schweiz. Sie machen auf eine Lücke bei den Zulassungsbestimmungen in Artikel 5 aufmerksam, wo die Absolventen und Absolventinnen von DMS- oder eben FMS-Schulen vergessen wurden.
In der Schweiz führen heute rund 50 bis 60 Schulen die eidgenössisch reglementierten Ausbildungsgänge der DMS, neu FMS, durch. Pro Jahr wählen in der Schweiz etwa zwischen 3000 und 4000 Personen, hauptsächlich Frauen, bewusst diesen Schultyp als weiteren persönlichen Entwicklungsschritt und als Zugangsweg zur Fachhochschule. Die FMS, französisch "école de culture générale", stellt entsprechend ihrem Bildungsauftrag und dem Anerkennungsreglement der Erziehungsdirektorenkonferenz eine einzigartige Möglichkeit dar, sich besser und höher qualifizieren zu können. In der Bildungssystematik ist die FMS zwischen der Berufslehre und dem Gymnasium angesiedelt, stellt für diese also keine Konkurrenz dar und eröffnet in einer Zeit fehlender Lehrstellen hervorragende Alternativen der Aus- und Weiterbildung.
Wir sind ebenfalls der Auffassung, dass es nicht vertretbar ist, dass ein ganzer Ausbildungsgang, der auf Fachhochschulen in bestimmten Bereichen vorbereitet, der dafür vorgesehen und konzipiert worden ist sowie auf der eidgenössischen Ebene der Erziehungsdirektorenkonferenz klar geregelt ist, im Fachhochschulgesetz nur indirekt mit verstanden ist, aber nicht explizit genannt wird. Gemäss unserer Auffassung muss ein Bildungsgang, der wie die Berufsmaturität als Zugangsweg zur Fachhochschule aufgebaut ist, im Sinne des Grundsatzes "Kein Abschluss ohne Anschluss" ausdrücklich im Gesetz festgehalten werden.
Es ist schwer nachvollziehbar, dass die gymnasiale Maturität, die gemäss Bildungsauftrag in erster Linie auf einen universitären Studiengang vorbereitet, im neuen Gesetz als Regelzugang an die Fachhochschule genannt wird, die FMS hingegen, deren Bildungsauftrag diesen Zugang gemäss Anerkennungsreglement der Erziehungsdirektorenkonferenz in eindeutiger Weise umfasst, unberücksichtigt bleibt. Andererseits werden im vorliegenden Entwurf des Fachhochschulgesetzes so selten gewählte Studiengänge wie angewandte Psychologie und angewandte Linguistik mit je nur einer Ausbildungsmöglichkeit in der Schweiz und entsprechend wenigen Studierenden im Gesetz festgehalten. Falls die FMS als Zubringerin zu den Fachhochschulen keinen Eingang ins Fachhochschulgesetz findet, stimmen die Relationen zwischen dem bildungs- bzw. gesellschaftspolitischen Auftrag und der Realität nicht mehr. Einzelne nachfolgende Studienrichtungen erhalten so mehr Gewicht als deren Zubringerschule auf der Sekundarstufe II.
Wir bitten Sie, unseren Antrag zu unterstützen, die FMS-Abschlüsse in der Aufzählung der prüfungsfreien Zulassung im Artikel ebenfalls explizit zu nennen. Wir danken Ihnen dafür.