Deiss Joseph · Bundesrat · 2004-09-28
Deiss Joseph · Bundesrat · Freiburg · 2004-09-28
Wortprotokoll
Ich möchte Sie bitten, dem Entwurf des Bundesrates und dem Antrag der Mehrheit zu folgen. Dies insbesondere, um den Sinn und Geist, aber auch die Gleichbehandlung der beiden Ausbildungswege, die wir nun haben, zu wahren.
Die Fachhochschulen wurden unter dem Motto "Anders, aber gleichwertig" geschaffen. Ich glaube, es ist wichtig, dass diese Verschiedenheit und Gleichwertigkeit bewahrt bleiben. Verschiedenheit bedeutet, dass auch bei der Zulassung unterschiedliche Anforderungen gestellt werden, nämlich dass man bei den Fachhochschulen eine praktische Ausbildung mit sich bringt. Es ist nun so, dass für die einen wie die anderen - also für die Absolventen einer Matura und die Absolventen einer Berufsmatura - eine Reorientierung nötig ist. Diese muss ermöglicht werden, für diese müssen Übergänge geschaffen werden. Aber das sind die Ausnahmen. Wir können davon ausgehen, dass unser Bildungssystem die Leute mehrheitlich oder grossmehrheitlich auf das richtige Geleise bringt und das ganze System somit nicht auf [PAGE 1445] diese kleine Zahl ausgerichtet sein muss, sondern auf die Mehrheit.
Nun zur Gleichbehandlung, zur Gleichwertigkeit: Wenn Sie eine Berufsmatura haben, können Sie mittels einer Ergänzungsprüfung an eine Universität gehen. Aber es würde niemandem in den Sinn kommen zu sagen, Sie können die Ergänzungsprüfung in Mathematik nach dem dritten Jahr absolvieren. Sie brauchen diese Voraussetzung zum Zeitpunkt, wo Sie in die Schule kommen, sonst nützt Ihnen das nichts. Sie wahren die Spezifizität der Fachhochschulen, indem Sie den Maturanden zum Zeitpunkt des Eintritts die Bedingung auferlegen, auch die Praxis mitzubringen. Damit haben Sie auch die Gleichbehandlung bewerkstelligt.
Kommt hinzu, dass die Schwierigkeit der Suche eines Praktikumsplatzes erkannt ist und heute schon in der Verordnung drinsteht, die Fachhochschulen seien den Studierenden beim Suchen ihrer Praktikumsstelle behilflich.
Ich bitte Sie also, die Klarheit des Systems zu wahren und somit der Mehrheit zuzustimmen.