Reimann Maximilian · Ständerat · 2004-12-06
Reimann Maximilian · Ständerat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2004-12-06
Wortprotokoll
Ich möchte zunächst vorausschicken, dass ich seit mehr als einem Jahrzehnt die Ehre habe, die parlamentarische Gruppe Sport zu präsidieren. In dieser Zeit habe ich den Bundesrat nie mit sportpolitischen Vorstössen beschäftigt, womit immerhin bewiesen ist, dass unsere Gruppe keine irgendwie geartete Lobbyorganisation darstellt - im Gegenteil: Es geht uns ausschliesslich um die Sache, und wir zeigen unsere Sorge, wenn wir das Gefühl haben, es laufe im Sport nicht mehr so, wie wir es an sich erwarten. In diesem Licht ist auch die vorliegende Interpellation zu betrachten. Sie ist von meiner ständerätlichen Kollegin und von meinen Kollegen im Vorstand der Gruppe Sport mitunterzeichnet worden. Gemeinsam ist uns dabei, dass wir uns eine leichte Enttäuschung über den Trend und die Schweizer Bilanz an den Olympischen Spielen in Athen nicht verkneifen können. Uns ist ebenso die Haltung gemeinsam, dass für Erfolge im Spitzensport grundsätzlich nicht der Staat in die Pflicht zu nehmen ist, sondern unsere Zivilgesellschaft, angeführt von den nationalen Sportverbänden.
Aber für eine Optimierung der öffentlich-rechtlichen Rahmenbedingungen haben Bund, Kantone und, wenn immer möglich, auch die Gemeinden schon geradezustehen. Und das ist ja auch ein Anliegen unserer parlamentarischen Gruppe Sport. In diesem Geiste wollten wir primär wissen, wie stark das Engagement des Bundes - natürlich im Rahmen von Gesetzes- und Budgetkompetenz - für sportliche Spitzenerfolge von Schweizerinnen und Schweizern überhaupt ist. Es kann ja nicht genügen, Bundesräte und insbesondere den Sportminister an internationale Grossveranstaltungen zu schicken und via "Präsenz Schweiz" auch patriotische Präsenz vor Ort zu markieren. Noch wichtiger als während der sogenannten Olympiade ist uns das motivierende Engagement des Bundes zwischen den Spielen. Dabei soll er sich nicht scheuen, dem privatrechtlich organisierten Sport auch einmal ex cathedra die Leviten zu lesen, wenn Anlass dazu besteht, anzunehmen, dass die Verbände nicht in der Lage sind, die erforderlichen erfolgversprechenden Strukturen zu schaffen.
Als Trauerspiel muss man in diesem Zusammenhang wohl die mehrfach gescheiterten Versuche sehen, wieder einmal Olympische Winterspiele in die Schweiz zu holen. Ich glaube, mit Hilfe des Departementes sind daraus die richtigen Lehren gezogen worden. Aber auch das Malaise um das Zürcher Fussballstadion im Vorfeld der Fussball-Europameisterschaft 2008 gehört ins Kapitel - ich setze es mal in Anführungszeichen - "Trauerspiele mit Bundesbeteiligung".
Bei dieser Gelegenheit, Herr Ratspräsident, möchte ich noch kurz ansprechen, was wir letzte Woche anlässlich Ihrer eindrücklichen Ständeratspräsidentenfeier in Einsiedeln am Horizont gen Himmel ragen sahen. Ich meine den Rohbau des neuen nationalen Skisprungzentrums. Trifft es zu, was kürzlich von der TV-Sendung "Schweiz aktuell" verbreitet worden ist, nämlich dass Nasak-Bundesgelder im wahrsten Sinne des Wortes auf eine Rutschbahn gesetzt worden sind? Es erheben sich ja bereits Stimmen, die nach Übungsabbruch in Einsiedeln rufen. Wie geht es weiter mit dieser nationalen Sportstätte? Vielleicht können Sie uns zum Stand der Dinge, Herr Bundesrat, etwas sagen, eine hoffentlich positive Prognose stellen, denn dieses Skisprungzentrum ist natürlich Bestandteil optimaler Rahmenbedingungen für die Nachwuchsförderung wie auch für den Spitzensport als solchen.
Mit Genugtuung blicken wir hingegen auf das zusätzliche Engagement des Bundes in der spitzensportlichen Nachwuchsförderung. Wahrscheinlich müssen wir uns noch etwas gedulden, bis sich da erste Erfolge einstellen. Vielleicht liegt auch darin der Grund für die unterschiedliche Beurteilung des Bundesrates und von mir, was den aktuellen Stand des schweizerischen Spitzensports im internationalen Vergleich anbetrifft. Ich sprach von Rückfall ins Mittelmass, der Bundesrat sieht eher eine leichte Tendenz zum Aufschwung. Da mag wohl auch eine Portion Wunschdenken mit im Spiel sein - extrapoliert in die Zukunft unter vorauseilendem Einbezug der erwähnten spitzensportlichen Nachwuchsförderung mit Bundesmitteln.
Im Übrigen ist es müssig, hier und heute darüber zu wetteifern, wo genau unser Spitzensport in der Weltrangliste steht. Aber eine Korrektur muss ich im betreffenden Kontext bei der Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation (3. Absatz, Zeile 6) doch noch anbringen. Es ist hier die Rede davon, dass die leichte Tendenz zum Aufschwung vorab den Erfolgen der "weiblichen Athletinnen" zuzuschreiben ist. Herr Bundesrat, ich hoffe, daraus nicht schliessen zu müssen, es gebe auch noch männliche Athletinnen. (Heiterkeit) Es ist nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn man diesen Passus noch vor der Abstimmung über Stammzellenforschung in die Diskussion gebracht hätte.
Durchaus einig gehe ich mit der bundesrätlichen Antwort, was den Ausblick in die Zukunft anbetrifft. Dies ist vor allem in den letzten beiden Sätzen der Antwort festgehalten. Ich spüre daraus, dass eine erfolgreiche Zukunft des Spitzensports auch dem Bundesrat ein echtes Anliegen ist und dass er dieses Ziel auch in der nächsten Legislaturperiode nicht aus den Augen verlieren wird.
Das stimmt mich positiv, und deshalb bin ich, wie eingangs erklärt, mit der Antwort des Bundesrates zu meiner Interpellation doch weitgehend einverstanden. Ich erkläre mich davon befriedigt.