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Günter Paul · Nationalrat · 2000-06-19

Günter Paul · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-06-19

Wortprotokoll

Wir haben über das Problem des Dopings mehrfach diskutiert. Meine Parlamentarische Initiative, welche eine Strafnorm verlangt, wurde in der Kommission und hier im Rat behandelt. Ihr wurde leider keine Folge gegeben.

Persönlich bin ich überzeugt, dass der einzige Weg, der weiterführt, der strenge Weg ist, wie ihn z. B. Frankreich geht. Wir werden nichts gewinnen, auch wenn die Schweiz das Land Europas ist, in dem man am einfachsten dopen darf. Die Schweiz ist heute das Land, in dem die Radrennfahrer vom Rad steigen, wenn sie während der Tour de France vorbeikommen - weil sie sicher sind, dass sie hier nicht mehr geprüft werden.

Es ist beim Thema Doping eine merkwürdige Verwirrung festzustellen, und zwar sowohl auf der rechten als auch auf der linken Ratsseite. Von beiden Seiten wird die Dopingfrage mit der Drogenpolitik und der Bekämpfung des Drogenmissbrauchs vermischt. Beide Seiten haben vor dieser Diskussion Angst. Auf der linken Seite besteht die Angst darin, dass man sagt, bei den Sportlern greife der Gesetzgeber sehr streng durch; es werden alle möglichen Kontrollen, vor allem Urin-Kontrollen, durchgeführt. Man möchte nicht, dass diese Mentalität in den Bereich der Drogenpolitik hineinkommt.

Auf der rechten Seite ist die Diskussion umgekehrt. Dort will man, dass man bei der Drogenpolitik hart durchgreift, möchte das aber im Bereich des Spitzensportes nicht tun.

Wir müssen von dieser Vermischung der Themen wegkommen. Wichtig ist etwas ganz anderes: Repression ist dort angezeigt, wo es darum geht, jemanden vor jemand anderem zu schützen. Dort ist Repression angezeigt. Wenn es aber darum geht, ein Individuum vor seiner eigenen Dummheit oder davor, dass es sich selbst schädigt, zu schützen, sind Repression und Polizeieinsätze erwiesenermassen falsche Mittel. Repression nützt nichts, sondern macht die Sache nur schlimmer.

Was heisst das auf den Sport bezogen? Wer soll hier geschützt werden? Wenn gedopt wird, sind alle anderen, die am selben Concours mitmachen und nicht dopen, die Betrogenen. Es geht um Betrug und um "Bschiss", darum geht es! Betrug wird bestraft, sogar im Fernsehen, wenn man dort bei einem Wettbewerb einen "Bschiss" vollführt. Darum geht es primär.

Es ist zwar richtig, dass diejenigen, die dopen, sich selbst schädigen. Wir müssen wirksam verhindern, dass gedopt wird, damit nicht jeder unter den Zwang kommt, z. B. auch noch Erythropoietin, das so genannte EPO, zu spritzen - in einer Variante, die noch nicht nachgewiesen werden kann. Sonst sind alle immer auf der Suche nach einem neuen Trick, auf den die Mediziner noch nicht gekommen sind, um sich selbst eine Leistung abzufordern, die sie eigentlich nicht erbringen könnten.

Es geht darum, die ehrlichen Sportler vor den nicht ehrlichen zu schützen. Es geht nicht darum, in den Breitensport einzugreifen. Es geht bei der Dopingbekämpfung vor allem um den Profi-Sport, weil es dort um Geld geht. Wer dopt, betrügt die Ehrlichen um ihren Sieg.

Sie haben hier entschieden, dass Sie keine gesetzlichen Grundlagen wollen. Das ist schade. Ich bin davon überzeugt: Es wird einfach noch ein, zwei Skandale, einige üble Erfahrungen brauchen - dann werden Sie merken, dass eben freiwillige Massnahmen nicht genügen, gerade weil es um viel Geld geht, gerade weil es um viel Einfluss geht.